Ein Fünftel der Jungen braucht vor der Einschulung eine Sprachtherapie

Knapp 23.000 Jungen im Alter von sechs Jahren wurden 2008 in ihrer Sprachentwicklung durch eine Sprachtherapie unterstützt. Das sind 21,9 Prozent der sechsjährigen Jungen, die bei der AOK versichert sind. In diesem Alter erhielten außerdem 13,6 Prozent eine ergotherapeutische Behandlung. Beim Übergang vom Kindergarten in die Schule kommt es seit Jahren zu einem vorübergehenden Anstieg von Verordnungen, die Kindern mit Sprach- und anderen Entwicklungsstörungen Hilfe leisten sollen. Das zeigt der heute vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) herausgegebene Heilmittelbericht 2009/2010. Von den 24 Millionen AOK-Versicherten wurden im Jahr 2008 insgesamt 17,5 Prozent mit einer Behandlung aus dem Bereich der Physiotherapie, Ergotherapie oder Sprachtherapie versorgt: Rund 350.000 Kinder unter 15 Jahren und mehr als 3,8 Millionen Erwachsene. Bei Kindern wurden vor allem sprachtherapeutische und ergotherapeutische Therapien eingesetzt, insbesondere im Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Bei den sechsjährigen Kindern sind 21,9 Prozent der Jungen und 14,1 Prozent der Mädchen in sprachtherapeutischer Behandlung. „Möglicherweise werden die Defizite in der sprachlichen Entwicklung des Kindes beim Kinderarzt im Rahmen der entsprechenden Regeluntersuchungen oder in den Schuleingangsuntersuchungen entdeckt“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Darüber hinaus erhalten 13,6 Prozent der sechsjährigen Jungen, aber lediglich 5,2 Prozent der Mädchen dieser Altergruppe eine Ergotherapie. „Gleichwohl Ergo- und Sprachtherapie helfen können, Defizite der kindlichen Umwelt zu bewältigen, müssen die Eltern mit dem Arzt abwägen, ob zehn und mehr Therapiesitzungen das richtige Mittel der Wahl darstellen“, so Helmut Schröder. Alternative Ansätze in Form von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen in Kindergärten und Schulen sowie im Elternhaus seien wichtig, um Gesundheitsstörungen schon in frühen Jahren vorzubeugen. So hat die AOK bereits 2007 die bundesweite Initiative „Gesunde Kinder – gesunde Zukunft“ gestartet. Mit dem Projekt „TigerKids“ erreicht sie in bundesweit 2.000 Kindertagesstätten die Kleinsten, um sie spielerisch über gesunde Ernährung und Bewegung aufzuklären. Physiotherapeutische Leistungen wie Krankengymnastik und Massage wurden 2008 knapp 33 Millionen Mal an gesetzlich Versicherte verordnet, davon 12 Millionen an AOKVersicherte. Rein statistisch hat somit jeder GKV-Versicherte 3,6 Heilmittelbehandlungen erhalten. Dabei sind physiotherapeutische Heilmittelbehandlungen mit 3,2 Behandlungen je Versicherten insgesamt stärker an der Versorgung beteiligt. Bedarf an diesen Therapien ha ben vor allem Erwachsene und hier insbesondere Frauen: Sie beanspruchten 2008 über 63 Prozent der physiotherapeutischen Behandlungen, die von der AOK gezahlt wurden. Bei etwa 46 Prozent aller Behandlungen war eine Wirbelsäulenerkrankung der Grund für eine Verordnung, bei einem weiteren Viertel eine Erkrankung der Extremitäten und des Beckens. Knapp 2,3 Millionen AOK-Versicherte wurden bei diesen Beschwerdebildern mit einer normalen Krankengymnastik – der häufigsten Heilmittelbehandlung – versorgt. Die Kosten für die insgesamt rund 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten mit 251 Millionen einzelnen Heilmittelbehandlungen beliefen sich auf 4,1 Milliarden Euro. Damit lagen die Heilmittelaufwendungen pro Versicherten im vergangenen Jahr bei 59,04 Euro. Der Heilmittelbericht 2009/2010 gibt Antwort auf die Fragen, wer welche Heilmittel bei welchem Facharzt aufgrund welcher Erkrankung erhält. Ärzte, Therapeuten und Krankenkassen können aus den Entwicklungen von gestern Handlungsoptionen für morgen ableiten. Damit kann den Heilmittelpatienten auch zukünftig eine zielgenaue und qualitativ hochwertige Heilmittelversorgung angeboten werden. (Pressemitteilung AOK)

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