Studie: Europaweit 33 Milliarden Euro Verlust durch faule Verbraucherkredite

Viele Probleme im Kreditgeschäft der Banken ließen sich durch ein besseres und langfristig angelegtes Kreditmanagement vermeiden. Das zeigt eine aktuelle Studie von Intrum Justitia und der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

In der Untersuchung werden die Risiken beschrieben, denen sich die europäischen Banken bei der Gewährung von Kundenkrediten in den nächsten Jahren aussetzen. Die europaweiten Verluste bei Verbraucherkrediten für 2009 werden auf rund 33 Milliarden Euro geschätzt.

In der Vergangenheit, so die Autoren, haben Banken ihre Kredite intern verwaltet und alle Schritte des Kreditmanagements vom Marketing, der Segmentierung, über das Fällen von Kreditentscheidungen bis hin zum Work-out selbst betreut.

Die Banken richten bei guter Wirtschaftslage das Augenmerk stärker auf die Vergabe von Krediten, während Aspekte wie die Pflege der Kundenbeziehungen und die Abschätzung der Zahlungsfähigkeit an Bedeutung verlieren.

Ist das Wirtschaftswachstum hingegen rückläufig, gewinnen Risikobewertungen bei den Banken stark an Bedeutung – in der Regel bevor diese ihre Strukturen und Abläufe den veränderten Marktbedingungen ausreichend angepasst haben.

Wie die Studie von Intrum Justitia und Oliver Wyman zeigt, können Banken sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern ihren Gewinn steigern, wenn sie frühzeitig auf verfeinerte Analysemethoden und Kreditverfahren setzen.

"Die durch unbezahlte Kredite eingefahrenen Verluste sind am Ende einer Wachstumsphase unnötig hoch und verleiten die Banken dazu, die Kreditkonditionen zu verschärfen. Dies wiederum bremst das Wirtschaftswachstum.

Durchbrechen lässt sich dieser Teufelskreis nur mit einem einheitlichen und auf Langzeit ausgerichteten Ansatz bei der Betreuung der Kredite", sagt Beat Koch, Director Customer Marketing Intrum Justitia DACH.

Wenn Banken mehr in ihr Kreditmanagement investieren, könnten sie laut der Studie ihre langfristigen Erträge aus dem Kreditgeschäft um zehn bis 20 Prozent steigern, in manchen Fällen sogar um bis zu 40 Prozent.

"Da diese Investitionen sehr teuer sein können, lohnt es sich in vielen Fällen, den Kreditprozess durch spezialisierte Dienstleister unterstützen zu lassen", sagt Norman Karrer, Senior Manager bei Oliver Wyman.

"Auf Dauer dient eine umfassende Verbesserung der Organisation der Kredite sowohl den Banken selber als auch dem Verbraucher."

Laut der Studie zählen die Kreditmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) zu den stabilsten in Europa.

Für 2009 prognostizieren die Autoren der DACH-Region eine leichte Zunahme der Hypothekenverluste und eine gleichbleibende (Schweiz) beziehungsweise rückläufige (Deutschland und Österreich) Verlustrate von Konsumentenkrediten.

Ein Grund für diese Stabilität ist die restriktive Praxis der hiesigen Banken bei der Gewährung von Krediten. Ländern mit instabilen Kreditmärkten wie Großbritannien und Spanien dagegen droht in den nächsten zwei Jahren bei den Hypotheken ein Anstieg der Verlustraten um mehr als das Zehnfache.

Für Großbritannien entspricht der mögliche Verlustzuwachs rund 6 Milliarden Euro und für Spanien rund 1,3 Milliarden Euro. Europaweit rechnet die Studie für das kommende Jahr mit Verlusten bei den Verbraucherkrediten von rund 33 Milliarden Euro.

Pressemitteilung der Intrum Justitia

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