Konjunkturerwartungen für Mittel- und Osteuropa: Finanzexperten zurückhaltender

Nach einer kontinuierlichen Verbesserung der Konjunkturerwartungen für die Länder Mittel- und Osteuropas (CEE) während der letzten drei Monate, zeigen sich die Finanzexperten im Mai zurückhaltender.

Der CEEIndikator, der als Saldo der positiven und negativen Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in der CEE-Region auf Sicht von sechs Monaten vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, mit Unterstützung der Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG, Wien, monatlich ermittelt wird, geht in der aktuellen Umfrage um 11,6 Punkte auf minus 24,1 Punkte zurück.

Die Mehrheit der Analysten erwartet aber, dass die konjunkturelle Entwicklung weiterhin unverändert bleibt. Die aktuelle Lage wird trotz eines leichten Rückgangs um 3,3 Punkte mit einem Saldo von 36,7 Punkten weiterhin positiv beurteilt.

36,7 Prozent der Teilnehmer bezeichnen die Situation in der CEE-Region als „gut“, 63,3 Prozent als „normal“ und kein einziger Experte bewertet die aktuelle Lage als „schlecht“.

Die Konjunkturprognosen der Umfrageteilnehmer haben sich im Mai für alle untersuchten CEE-Länder, mit Ausnahme von Ungarn, vor dem Hintergrund der möglichen Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise verschlechtert.

Sowohl die Verringerung der grenzüberschreitenden Kapitalflüsse und die damit verbundene Kreditverknappung als auch der erwartete Wachstumsrückgang in der Eurozone könnten die Einschätzungen der Analysten beeinflusst haben.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage wird im Gegensatz zu den Erwartungen für die meisten Länder nach wie vor durch einen positiven Saldo charakterisiert. Die Slowakei sticht mit einem Saldo von 63,0 Punkten auch in diesem Monat hervor.

Die Inflationserwartungen der CEE-Experten vermitteln ein recht heterogenes Bild. Während 30,0 Prozent von steigenden und 33,3 Prozent der Experten von sinkenden Inflationsraten in der Region ausgehen, rechnen 36,7 Prozent damit, dass die Inflation in den nächsten sechs Monaten unverändert bleibt.

Der Saldo steigt um 8,7 Punkte auf minus 3,3 Punkte im Mai. Auch für die Eurozone ist der Anteil der Finanzmarktexperten, die mit einer niedrigeren Inflationsrate rechnen, höher als der Anteil der Analysten, die eine steigende Inflationsrate prognostizieren. Obwohl die EZB die Inflationsrisiken in der Eurozone immer wieder betont, geht der entsprechende Saldo in der aktuellen Umfrage um 5,9 Punkte auf minus 9,9 Punkte zurück.

Dementsprechend sinkt auch der Saldo für die kurzfristigen Zinsen in der Eurozone um 3,1 Punkte auf minus 37,9 Punkte. Wie im Vormonat erwartet die Mehrheit der Befragten (51,7 Prozent) unveränderte Zinssätze. 43,1 Prozent prognostizieren eine Zinssenkung durch die EZB innerhalb der kommenden sechs Monate und nur 5,2 Prozent eine Zinserhöhung.

Obwohl die Slowakei alle Bedingungen für die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung zum 1. Januar 2009 erfüllt hat, bestehen unter den befragten Experten große Zweifel an der Nachhaltigkeit der niedrigen Inflation.

42,9 Prozent der Analysten (plus 8,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat) rechnen mit einem Anstieg der Inflation in der Slowakei in den kommenden sechs Monaten. Der entsprechende Saldo nimmt im Mai um 10,6 Punkte auf 19,7 Punkte zu. Das ist der höchste Wert unter den untersuchten Ländern.

Das Inflationsrisiko in Österreich wird nach Einschätzung der Experten auf Sicht von sechs Monaten sinken. Der Saldo ist im Mai um 9,8 Punkte zurückgegangen. Die Inflationserwartungen halten sich dabei mit jeweils 30,0 Prozent der Teilnehmer, die einen Anstieg beziehungsweise einen Rückgang der Teuerungsrate für wahrscheinlich halten, die Waage. 40,0 Prozent erwarten keine Veränderung der Inflation.

Eine klare Mehrheit der Finanzexperten, meist über 60,0 Prozent, prognostiziert einen Anstieg der Aktienmarktindizes in den untersuchten Ländern in den nächsten sechs Monaten. Ähnlich wie im April ist die Einschätzung des CEE-Index (NTX) mit einem Saldo von 51,8 Punkten am stärksten von Optimismus geprägt.

Die Wechselkurserwartungen der Teilnehmer haben sich im Mai nicht wesentlich verändert. Für alle Länder wird weiterhin mit einer Aufwertung der Währungen gegenüber dem Euro gerechnet. Eine Ausnahme ist lediglich die Tschechischen Republik. Hier wird eine Abwertung der Koruna gegenüber dem Euro prognostiziert.

Die Sondefrage im Mai beschäftigt sich mit der Entwicklung der Preise auf den Rohstoffmärkten.Zunächst wurden die Finanzexperten nach ihrer Prognose für den Ölpreis in sechs Monaten gefragt. Fast die Hälfte der Analysten (48 Prozent) erwartet, dass der Preisanstieg ein Ende findet und der Ölpreis wieder sinken wird. 27 Prozent gehen von einer weiteren Verteuerung aus.

Im Durchschnitt prognostizieren die Experten einen Preis von 113 US-Dollar pro Barrel Öl der Sorte Nordsee Brent. 45 Prozent halten einen Preis von unter 100 US-Dollar pro Barrel für wahrscheinlich und 17 Prozent rechnen mit einem Preis von über 130 US-Dollar pro Barrel.

Gefragt nach ihren Erwartungen bezüglich des Goldpreises zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die meisten Teilnehmer (32 Prozent) halten einen Preis auf derzeitigem Niveau in den nächsten sechs Monaten für realistisch. Dagegen erwarten 24 Prozent der Experten einen sinkenden und 21 Prozent einen steigenden Goldpreis.

Der prognostizierte Durchschnittspreis beträgt 900 US-Dollar pro Feinunze. Die Ergebnisse der Befragung bezüglich der Preisentwicklung bei Öl und Gold auf Sicht von fünf Jahren und insbesondere die Prognosen zur Preisentwicklung bei landwirtschaftlichen Gütern werden in der Juli-Ausgabe des Finanzmarktreports präsentiert.

Ablauf der Umfrage und Methodologie

Der Finanzmarkttest CEE ist eine monatliche Umfrage unter Finanzmarktexperten, die das ZEW Mannheim mit Unterstützung der Ersten Bank der österreichischen Sparkassen, Wien, durchführt. Ziel der Umfrage ist es, Indikatoren für das allgemeine Konjunkturklima für die Region Mittel- und Osteuropa (CEE) sowie Österreich zu entwickeln. Zur CEE-Region zählen Bulgarien, Kroatien, die Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Rumänien, Serbien, die Slowakei und Slowenien.

Im Einzelnen werden die Finanzmarktexperten nach der Beurteilung der aktuellen konjunkturellen Lage sowie nach ihren mittelfristigen Erwartungen für die entsprechenden Volkswirtschaften befragt sowie nach ihrer Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung der Inflationsrate, der kurz- und langfristigen Zinsen, der Aktienkurse und der Wechselkurse auf Sicht von sechs Monaten.

Die Experten geben bei ihren Antworten qualitative Tendenzeinschätzungen bezüglich der Veränderungsrichtung ab. Bei den beurteilten Volkswirtschaften handelt es sich um die Regionen Mittelund Osteuropa und den Euroraum sowie die Tschechische Republik, Polen, Ungarn, die Slowakei, Kroatien, Rumänien und Österreich.

Detaillierte Ergebnisse zu den einzelnen mittel- und osteuropäischen Staaten sowie zu Österreich enthält der“Financial Market Report CEE“, der monatlich erscheint.

Pressemitteilung des ZEW – Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH

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