Kaufkraft der Verbraucher bleibt 2009 stabil

Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise wird in diesem Jahr auf die reale Kaufkraft der Mehrzahl der deutschen Verbraucher nur geringe Auswirkungen haben. Zwar flachen sich die nominalen Zuwächse in den Geldbörsen gegenüber den höheren Steigerungsraten der Vorjahre (2006: 2,4%, 2007:1,5%, 2008: 2,6%) ab: nur 0,4% Zuwachs auf Euro 18 957 pro Kopf der 82,1 Millionen Einwohner in Deutschland erwartet das auf Regionalforschung spezialisierte Nürnberger Marktforschungsinstitut MB-Research für dieses Jahr. Im Vergleich zu dem sehr gering erwarteten Anstieg der Verbraucherpreise (zuletzt rechnete beispielweise die Bundesbank im Monatsbericht Juni 2009 nur noch mit 0,1% Verbraucherpreisanstieg) kann das reale Kaufkraftniveau der Verbraucher aber immerhin gehalten bzw. leicht gesteigert werden.
Dies sind allerdings nur die Durchschnittswerte für die Republik. In den sozialen Schichten und einzelnen Regionen Deutschlands sind die Entwicklungen recht unterschiedlich:
Überproportional betroffen von der Krise sind die Gewinner der vorangegangenen Jahre: die höheren Einkommensschichten. So verzeichnet das Statistische Bundesamt im ersten Quartal des Jahres den stärksten Rückgang der Einkommen aus Unternehmenstätigkeit und Vermögen (z.B. aus Wertpapieren) seit 1970. Teilweise sinkende Gehälter von leitenden Angestellten und Rückgänge bei variablen Gehaltsbestandteilen betreffen ebenfalls überproportional die höheren Einkommensbezieher.
Steigende Werte sind in diesem Jahr dagegen bei den Tarifverdiensten zu verzeichnen, vor allem auf Grund der hohen Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2008. Negativ zu Buche schlagen allerdings die Ausweitung der Kurzarbeit und vor allem eine für die zweite Jahreshälfte erwartete deutlichere Zunahme der Arbeitslosigkeit. Die Bezüge der Rentner steigen ab Juli um 2,41% im Westen und um 3,38 % im Osten; mit der stärksten Erhöhung seit 10 Jahren wachsen die Renten in diesem Jahr stärker als die Löhne. Auch der monatliche Regelsatz für die rund 6,6 Millionen Hartz IV-Bezieher, die Grundsicherung für Ältere und die Sozialhilfe steigen an. Leichte Entlastungen bei Steuern und Sozialabgaben erhöhen die Kaufkraftbeträge weiter; reale Kaufkraftverluste werden letztlich aufgrund der (vor allem dank rückläufiger Kosten für Energie und Lebensmittel) weitgehend stabilen Verbraucherpreise voraussichtlich vermieden.
Diese Trends beeinflussen in hohem Maße auch die regionale Kaufkraftentwicklung. Die vergleichsweise einkommensschwachen und überproportional an Transferleistungen partizipierenden ostdeutschen Bundesländer werden 2009 – auch dank höherer Tarifverdienste im Zuge der weiteren Anpassung an das Westniveau und einer in der jetztigen Krise weniger anfälligen Wirtschaftsstruktur – Zuwächse in der Pro Kopf-Kaufkraft verzeichnen, zwischen prognostizierten 1,6% (Mecklenburg-Vorpommern) und 0,7% (Thüringen). Voraussichtlich einziges Bundesland mit einem Rückgang der Kaufkraftbeträge (-0,3%) ist Baden-Württemberg mit seinen von der Krise besonders betroffenen exportabhängigen Industrien.
Eine Analyse auf der Ebene der 419 Stadt- und Landkreise macht deutlich, daß reichere Gebiete eher Kaufkraftrückgänge hinnehmen müssen, während einkommensschwächere Stadt- und Lankreise in der Regel weniger stark betroffen sind: Für 8 der 10 einkommensstärksten Stadt- und Landkreise werden nominale Kaufkraftzuwäche unterhalb des erwarteten Preisanstiegs von 0,1%, und damit reale Kaufkraftrückgänge erwartet:
Tabelle: Die kaufkraftstärksten Stadt- und Landkreise 2009:
Stadt- bzw. Landkreis Kaufkraft je Einwohner 2008 2009 Wachstum
Landkreis Starnberg 28 714 28 716 +0,0% Hochtaunuskreis 28 343 28 324 -0,1% Landkreis München 26 518 26 378 -0,5% Kreisfreie Stadt München 25 839 25 704 -0,5% Main-Taunus-Kreis 25 764 25 699 -0,3% Landkreis Ebersberg 24 967 25 032 +0,3% Landkreis Fürstenfeldbruck 23 733 23 831 +0,4% Landkreis Stormarn 23 180 23 191 +0,0% Kreisfreie Stadt Erlangen 23 429 23 190 -1,0% Landkreis Dachau 23 122 23 110 -0,1%
Umgekehrt können die 10 einkommensschwächsten Stadt- und Landkreise, in denen die Anteile der Transfereinkommen teilweise weit über 30% liegen, alle mit realen Kaufkraftzuwächsen rechnen.
Tabelle: Die kaufkraftschwächsten Stadt- und Landkreise 2009:
Stadt- bzw. Landkreis Kaufkraft je Einwohner 2008 2009 Wachstum
Niederschlesische Oberlausitz 14 100 14 400 +2,1% Uckermark 14 156 14 390 +1,7% Landkreis Güstrow 14 090 14 346 +1,8% Landkreis Annaberg 14 241 14 286 +0,3% Kyffhäuserkreis 14 100 14 270 +1,2% Kreisfreie Stadt Görlitz 13 990 14 151 +1,1% Ostvorpommern 13 927 14 011 +0,6% Landkreis Löbau-Zittau 13 792 13 973 +1,3% Landkreis Demmin 13 423 13 841 +3,1% Landkreis Uecker-Randow 13 258 13 563 +2,3%
Auch die aktuelle Trendumkehr in der Kaufkraftentwicklung gegenüber den letzten Jahren spiegelt sich in den Daten der Nürnberger Marktforscher wider: Für den im Zeitraum 2004 bis 2008 in der Kaufkraft am stärksten gestiegenen Landkreis Erlangen-Höchstadt, dessen Großunternehmen teilweise stark von der Krise betroffen sind, wird 2009 ein Kaufkraftrückgang auf Euro 22 640 (-0,3%) erwartet. Umgekehrt ist für den sich 2004 bis 2008 am schwächsten entwickelnden Stadtkreis Aachen mit einem Anstieg auf Euro 18 334 (+0,5%) zu rechnen.
Trotz jeweils leichten Rückgangs bleibt München mit pro Kopf ca. Euro 25 700 reichste Großstadt und Grünwald bei München mit ca. Euro 53 000 reichste der ca. 12 300 Gemeinden in Deutschland insgesamt.
(Pressemitteilung der MB-Research)

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