Postbank sieht kaum Risiken für die Stabilität der Gemeinschaftswährung

Griechenland, Irland und Portugal – bereits drei Euro-Länder mussten wegen zu hoher Staatsschulden unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen. Den Euro selbst scheint das als Währung kalt zu lassen. Mit aktuell 1,44 Dollar notiert der Euro gegenüber der US-Währung nur leicht unter dem Niveau vor Ausbruch der Krise in Griechenland Ende 2009.
Was aber, wenn die Krise weiter voranschreitet und tatsächlich ein größerer Zahlungsausfall eines Mitgliedslandes zu verzeichnen wäre? Drohen dann „argentinische Verhältnisse“? 2001 verlor der argentinische Peso gegenüber dem Dollar nach dem Zahlungsausfall des Staates und Freigabe des Wechselkurses innerhalb kürzester Zeit fast 75 Prozent. „Nein“, sagt Dr. Bargel, der Chefvolkswirt der Deutschen Postbank AG. „Der Euro ist als Gemeinschaftswährung mehrerer Volkswirtschaften sehr viel weniger anfällig für Schwankungen als kleine `nationale´ Währungen. Wir rechnen selbst bei einer weiteren Verschärfung der Krise nur mit einem Abwertungspotenzial gegenüber dem US-Dollar von höchstens 15 bis 20 Prozent.“

Die Volkswirte der Bonner Bank sehen drei wichtige Gründe für die relativ hohe Stabilität des Euro:

1. Flexibler Wechselkurs. Der Euro ist im Gegensatz zu Währungen, die in der Vergangenheit dramatische Abwertungen erlitten, nicht an eine Leitwährung gekettet. Sein Preis bildet sich frei am Markt und spiegelt die relative Stärke der europäischen Volkswirtschaften wider. Dramatische Abwertungen traten in der Vergangenheit meist bei Währungen auf, die vor Ausbruch einer Verschuldungskrise an eine Leitwährung gekoppelt und stark überbewertet waren. Oft war die dann folgende Abwertung sogar ein Teil der Rettungsstrategie. Eine signifikante Fehlbewertung des Euro gegenüber anderen großen Währungen ist aktuell nicht festzustellen.

2. Starke Gemeinschaft. Hinter dem Euro steht die Wirtschaftskraft der gesamten Währungsunion. Zusammengenommen haben die Staaten, die sich unter dem europäischen Rettungsschirm befinden, nur einen Anteil von etwas mehr als sechs Prozent am Bruttoinlandsprodukt der Eurozone. Werden Spanien (11,7 Prozent) und Italien (17,1 Prozent) als weitere mögliche Problemländer hinzugerechnet, steigt der Anteil auf ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

3. Wichtige Reservewährung. Der Euro ist nach dem US-Dollar die weltweit bedeutendste Anlagewährung. Gut sechzig Prozent der globalen Devisenreserven entfallen auf den US-Dollar, gut ein Viertel auf den Euro. Der Euro hat in der Krise nur geringfügig Marktanteile an andere Währungen verloren. Ein massiver Kapitalabfluss aus dem Euroraum ist bis heute nicht erkennbar. Andere Währungen spielen neben dem US-Dollar und dem Euro nur eine untergeordnete Rolle. So entfallen auf das britische Pfund gerade einmal vier Prozent der weltweiten Devisenreserven, beim japanischen Yen sind es drei Prozent.

Unverwundbar ist der Euro dennoch nicht. Eine ernsthafte Gefahr für den Außenwert des Euro sieht die Postbank dann, wenn es zu einem Zahlungsausfall oder sogar Austritt eines der drei großen Mitgliedsstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien) käme. Auch wenn die Europäische Zentralbank im Vergleich zu anderen Notenbanken deutlich vom Ziel der Preisstabilität abrücken würde, wäre der Euro in Gefahr. Beide Szenarien hält die Postbank aber auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich.

Pressemitteilung der Postbank AG

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