Verbraucherzentrale warnt: Niedrigzins kann längere Tilgung bedeuten

Auch wenn auf den ersten Blick die Rahmenbedingungen verlockend sind, geht jeder, der eine darlehensfinanzierte Immobilie erwirbt, ein finanzielles Risiko ein. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, müssen einige wesentliche Punkte beachtet werden.

Das Baugeld ist preiswert wie nie. Dennoch lässt sich gerade jetzt nicht gänzlich unbeschwert eine Immobilie finanzieren.  Wer mit den derzeit geringen Darlehenszinsen startet, muss nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist â““ diese endet in aller Regel nach zehn oder 15 Jahren â““ mit deutlich höheren Zinsen rechnen. Dann kann es sich übel rächen, wenn in dieser Zeit nur wenig getilgt worden ist und ein großer Restbetrag weiterhin finanziert werden muss.

Gerade bei den üblichen Annuitätendarlehen mit konstanten Rückzahlungsbeträgen hat der Zinssatz Einfluss auf die Tilgungszeit. Weil mit jeder Zahlung an die Bank ein kleiner Teil der Schulden getilgt wird und der Anteil der auf die Restschulden zu zahlenden Zinsen sinkt nimmt der Tilgungsanteil stetig zu, da die monatliche Rate gleich bleibt.

Je höher der Zinssatz dabei ist, desto schneller steigt der Tilgungsanteil bei einer gleichbleibenden Ratenhöhe. In diesem Fall ist die Monatsrate zwar vergleichsweise hoch, der Tilgungsanteil innerhalb der fixen Monatsrate steigt jedoch schneller â““ die Schuld ist früher bezahlt.
So wäre bei einer anfänglichen jährlichen Tilgung von 1 Prozent ein mit 7  Prozent verzinstes Darlehen in ca. 30 Jahren vollständig beglichen, während bei gleichem anfänglichen Tilgungsanteil und nur 3,5 Prozent Zins die Laufzeit ganze 43 Jahre beträgt.
Daher rät Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e.V.: â“œIn Zeiten geringer Darlehenszinsen sollte eine möglichst hohe anfängliche Tilgungsrate gewählt werden, um nicht nach der ersten Zinsbindungsfrist mit den monatlichen Raten überfordert zu sein.â“œ

Auch wird es den Verbrauchern wegen einer Änderung der Preisangabenverordnung nicht einfacher gemacht, die tatsächlichen Kosten eines Darlehens zu erkennen. So kann es sein, dass die verlockend günstigen Effektivzinsen nur rechnerisch, nicht aber in der Realität nachvollziehbar sind. Wer über die Finanzierung einer Immobilie nachdenkt, sollte sich deshalb zuvor unabhängig beraten lassen.

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein

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