Gaspreise: Verbraucherzentrale fordert einfacheren Wechselprozess

Zu lange Wechselvorgänge, intransparente Verträge, Tarifwirrwar und Probleme zwischen Alt- und Neuanbietern erschweren den Gasanbieterwechsel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Onlineumfrage der Verbraucherzentrale Niedersachsen, an der 300 Verbraucher teilnahmen. Trotz verschiedener Hindernisse beim Anbieterwechsel würden Kunden jederzeit wieder wechseln, wenn es sich finanziell rechnet. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale müssen Gesetzgeber und Bundesnetzagentur die Rahmenbedingungen für den Wechselprozess verbessern. Dann würden noch erheblich mehr Gaskunden wechseln. Ungeachtet der Wechselschwierigkeiten rät die Verbraucherzentrale zum Anbieterwechsel, empfiehlt Kunden aber, sich vorher gut zu informieren.
Einige Ergebnisse: Auffällig ist, dass bei über einem Drittel der befragten Wechsler der Anbieterwechsel nicht geklappt habe. Und selbst in den Fällen, in denen er funktionierte – immerhin noch bei 65 Prozent der Wechsler – gab es zahlreiche Probleme mit den Alt- und Neulieferanten. Beanstandet wurde grundsätzlich auch die zu lange Dauer des Wechselprozesses: Verbraucher mussten teilweise drei bis sechs Monate oder sogar länger als sechs Monate warten, bis der Wechsel vollzogen war. Auch beim Thema Kundenzufriedenheit gibt es Nachholbedarf: Eine beliebte Methode alter und neuer Gasanbieter scheint das Hin- und Herschieben der Verantwortlichkeit für Probleme beim Wechsel zu sein. Intransparente Verträge und unübersichtliche Tarife kritisierten sogar zwei Drittel aller Befragten – Wechsler wie Nichtwechsler. Trotz der zahlreichen Probleme würden rund 80 Prozent der Wechsler ihren Anbieter erneut wechseln. Sogar bei den Nichtwechslern wären 57 Prozent der Befragten bereit zu wechseln bei einer Ersparnis von mindestens 50 bis 150 Euro im Jahr.
Juristin Karin Goldbeck: „Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen die Forderungen der Verbraucherzentrale Niedersachsen nach Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Gasanbieterwechsel“.
Die Forderungen im Einzelnen: 1. Um Wettbewerbsbehinderungen zu beseitigen, müssen regelmäßige Kontrollen der Gaslieferanten und bei Verstößen schärfere finanzielle Sanktionen seitens der Bundesnetzagentur erfolgen.
2. Die maximal zulässige Dauer des Lieferantenwechsels muss verkürzt werden. Ansonsten wird die Wechselbereitschaft nicht weiter zunehmen.
3. Klappt der Wechselvorgang nicht, dürfen den Verbrauchern keine finanziellen Nachteile entstehen. Prinzipiell sollten diese so lange in dem ehemaligen Tarif eingestuft bleiben, bis der Wechsel zum gewünschten Anbieter funktioniert hat. Die automatische Einstufung des Wechselwilligen bei Wechselproblemen in die teure Ersatzversorgung des alten Versorgers muss abgeschafft werden.
4. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen fordert die Gasanbieter auf, ihre Verträge und Tarife endlich transparent zu gestalten und ihren Kundenservice erheblich zu verbessern.
Die Studie* „Probleme beim Gasanbieterwechsel von Verbrauchern in Niedersachsen“ gibt es unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/StudieGasanbieterwechsel (Pressemitteilung Verbraucherzentrale Niedersachsen)

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