Krankenhausreport der AOK: Fallpauschalen fördern Produktivität von Krankenhäusern

Der heute veröffentlichte Krankenhaus-Report 2010 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hat das Schwerpunktthema „Krankenhausversorgung in der Krise?“. Darin widmet er sich einer umfassenden Analyse der Marktentwicklung seit Einführung des neuen fallpauschalierten Vergütungssystems nach DRGs im Jahr 2003. „Die Analysen zeigen, dass die Chancen von den Krankenhäusern überwiegend genutzt und die Herausforderungen bewältigt wurden“, sagt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO. „Sie zeigen aber auch, dass weiterhin Effizienzreserven in Milliardenhöhe bestehen. Politischer Handlungsbedarf besteht darüber hinaus insbesondere bei der Sicherstellung der Investitionsfinanzierung.“ Der Krankenhaus-Report 2010 zeigt deutlich: Die DRG-Einführung hat nicht nur die Markttransparenz erhöht, sondern auch dazu beigetragen, dass die Krankenhäuser Kapazitäten abgebaut und die Produktivität gesteigert haben. So ist die Zahl der Betten von 2003 bis 2008 um 7,1 % zurückgegangen, die Verweildauer parallel um 8,3 % gesunken. Gleichzeitig erhöhte sich die Fallzahl um 1,3 %. Das Vorgehen im Rahmen des eingeführten Fallpauschalsystems, gleiche Leistung zunehmend gleich zu vergüten, zeigt Wirkung. Auf der einen Seite haben insbesondere private Klinikketten ihre Gewinne in den letzten Jahren ausgebaut. Auf der anderen Seite finden sich aber auch Krankenhäuser, die mit Verlust arbeiten. Krankenhäuser reagieren darauf im Regelfall erfolgreich mit Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung, wie der Optimierung von Betriebsabläufen. Daher sind faktische Insolvenzen und Schließungen – anders als Fusionen – die absolute Ausnahme. Insgesamt zeige sich, dass die wettbewerblichen Herausforderungen des eingeführten Preissystems im Markt im Regelfall gut bewältigt wurden. Nach wie vor finden sich aber immer noch überdurchschnittliche Kapazitäten in der stationären Versorgung. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit 5,7 Betten je Tsd. Einwohnern auf dem dritten Rang im OECD-Vergleich hinter Japan und Österreich. Am Status quo orientierte Effizienzanalysen verweisen darauf, dass gegenwärtig von weiteren 2 bis 4 Mrd. Euro Effizienzreserven auszugehen ist, die durch Rationalisierungsprozesse mobilisiert werden können. Weitere Effekte ließen sich realisieren, wenn die bestehende sektorale Trennung der Krankenversorgung weiter gelockert und Möglichkeiten für Selektivverträge geschaffen würden, betonen die Autoren des Krankenhaus-Reports 2010. Es ist kein Novum, dass die Länder ihren Verpflichtungen im Rahmen der Investitionsfinanzierung nicht ausreichend nachkommen. So sanken die Investitionsfördermittel von rd. 10,2 % der Gesamtausgaben der GKV und PKV für Krankenhausbehandlung im Jahr 1991 auf 4,7 % für das Jahr 2007. Laut vorliegenden Expertisen wird jedoch eine Investitionsquote von rd. 10 % als erforderlich angesehen. Wie die Autoren im Krankenhaus-Report darlegen, werden weitergehende Investitionen zum Teil aus Betriebsmitteln über die Krankenkassen finanziert. Unterlassene, aber notwendige Investitionen gehen zu Lasten einer möglichen Produktivitätssteigerung. Die Autoren sehen für eine nachhaltige Entwicklung des Krankenhaussektors deshalb den dringenden Bedarf, die Investitionsfinanzierung klarzustellen. Neben dem Schwerpunktthema bietet der Krankenhaus-Report, der vom WIdO gemeinsam mit Max Geraedts von der Universität Witten-Herdecke herausgegeben wird, im Diskussionsteil Raum für eine Reihe aktueller Einzelthemen. Er enthält Beiträge zum Potenzial der ambulanten onkologischen Versorgung im Krankenhaus, zu den Anforderungen an ein einheitliches Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Leistungen, zur Beschäftigungssituation des Pflegepersonals, zu Hygienefehlern im Krankenhaus, zur methodischen Weiterentwicklung der Messung von Ergebnisqualität mit Routinedaten (QSR) und zum Einfluss von Strukturmerkmalen der Krankenhäuser auf die Qualität der Versorgung. (Pressemitteilung AOK-Bundesverband)

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