Studie der HypoVereinsbank zur wirtschaftlichen Entwicklung Ostdeutschlands

Einen optimistischen Ausblick auf die weitere Entwicklung der ostdeutschen Bundesländer gab Lutz Diederichs, Vorstandsmitglied der HypoVereinsbank, anlässlich der heutigen Vorstellung einer Studie der Bank zur ökonomischen Bilanz Ostdeutschlands zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung. „Auch wenn große wirtschaftliche Probleme bleiben, hat Ostdeutschland gute Voraussetzungen, nachhaltig erfolgreich zu sein“, so Diederichs. „Wir sehen eine kontinuierlich aufwärts gerichtete Entwicklung in den letzten 20 Jahren.“ Vor allem die Infrastruktur ist vorbildlich, so ein Ergebnis der Studie. Die vorhandenen Unternehmen sind weltmarktfähig, die Lohnstückkosten der Industrie unter Westniveau. Es existiert eine relativ stabile industrielle Basis sowie eine gut entwickelte öffentlich finanzierte Forschungslandschaft. Negativ sei jedoch, dass die Unternehmen zu oft nur verlängerte Werkbänke westdeutscher oder internationaler Unternehmen sind. Lutz Diederichs: „Auch liegt die Arbeitslosigkeit deutlich über dem Niveau Westdeutschlands. Die anhaltende Bevölkerungsabwanderung beschneidet darüber hinaus Zukunftschancen.“
Treiber der Wirtschaftsentwicklung nach der Wiedervereinigung war zunächst die Bauwirtschaft, die allerdings den weitgehenden dramatischen Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft zunächst verschleierte. Später hat die notwendige Rückführung der Branche auf ‚Normalmaß‘ die erheblichen Erfolge vieler Branchen überdeckt. Gerade in den Stagnationsjahren gelangen der ostdeutschen Wirtschaft eindrucksvolle Erfolge bei der Aufbauarbeit und beim Herausbilden internationaler Wettbewerbsfähigkeit, so ein weiteres Ergebnis der Studie.
Unterschiedliche Wachstumsphasen seit 1992 Zwischen 1992 und 1996 verzeichnete Ostdeutschland einen sehr dynamischen Wachstumsprozess. Von einem niedrigen Niveau aus wuchs die Wirtschaft in dieser Phase jährlich im Mittel um 6,5 Prozent, während die alten Bundesländer im Schnitt gerade einmal um ein gutes halbes Prozent pro Jahr wuchsen. Von 1997 bis 2005 folgte dann eine Phase schwachen Wachstums in Ost und West. Allerdings war die jährliche Wachstumsrate in Ostdeutschland mit im Schnitt 0,7 Prozent nur halb so hoch wie im Westen. 2006 bis 2008 gelang dann der Anschluss: Ost- und Westdeutschland nahmen gleichermaßen am Konjunkturaufschwung teil – beide Teile Deutschlands wuchsen um 2,2 Prozent jährlich. Ohne den Bausektor konnte die ostdeutsche Wirtschaft auch in den Jahren zwischen 1997 und 2005 stärker wachsen als die im Westen. Diese starke Leistung ist nach Ansicht der Bank völlig untergegangen. Diederichs: „Es hat sich das Bild festgesetzt von einer ostdeutschen Wirtschaft, die lange Zeit eher Rück- als Fortschritte zu vermelden hatte. Dies war vor allem für die Performance der ostdeutschen Betriebe eine schwere Hypothek.“
Zwiespältiges Bild bei den Forschungsausgaben Entscheidender Faktor für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit ist die Innovationsfähigkeit. In Ostdeutschland gibt es viele kreative Unternehmen mit hoher Innovationsfähigkeit. „Wenn diese sich nachhaltig positiv entwickeln, werden sie sukzessive auch die unternehmensseitige Forschungslandschaft beleben. Derzeit wird allerdings in Ostdeutschland, bezogen auf die Wirtschaftsleistung, weniger in Forschung und Entwicklung investiert als in der gesamten Republik“, so Lutz Diederichs. Wesentlicher Grund dafür ist die gegenüber dem Westen deutlich kleinteiligere Unternehmensstruktur. Während im Osten oft reine Produktionsstätten betrieben werden, findet die Forschung vielfach am Standort der Konzernzentralen in Westdeutschland oder im Ausland statt. Die öffentliche Forschungslandschaft in Ostdeutschland braucht dagegen keinen Vergleich zu scheuen. Sie ist leistungsstark und national wie international konkurrenzfähig.
Positive Zukunftsaussichten Aktuell erzielt Ostdeutschland pro Einwohner 71 Prozent der Leistungskraft des Westens. Ob dieser Abstand mittelfristig verringert werden kann, versucht die neue Studie der HypoVereinsbank anhand zweier Szenarien zu errechnen: 1. Wenn sich die neuen Bundesländer weiterhin so gut entwickeln wie in den vergangenen fünf Jahren, würden bis 2025 pro Kopf trotzdem nur 75 Prozent der Leistungskraft des Westens erreicht. 2. Selbst wenn die Ost-Wirtschaft bis 2025 jährlich nominal um drei Prozentpunkte stärker wachsen würde als die im Westen, würde die durchschnittliche Leistungskraft pro Einwohner nur 95 Prozent des Westens erreichen.
„In Ostdeutschland wurde Gewaltiges geleistet“, fasste Lutz Diederichs die Ergebnisse der Studie zusammen. „Die Transferzahlungen des Westens wurden weitgehend sinnvoll eingesetzt. Teilweise wurde die Aufbauleistung durch zwangsläufige Branchenzyklen verdeckt. Aber die Richtung stimmt, die Basis steht solide. Es besteht also kein Grund, nicht auch für die nächsten Jahre optimistisch zu sein.“ (Pressemitteilung der HypoVereinsbank)

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