Schwindel kann viele Ursachen haben

Schwindel gehört zu den häufigsten Beschwerden, die Patienten zum Arzt führen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist Schwindel nach Kopfschmerzen das zweithäufigste Krankheitssymptom der Bundesbürger.

Die Betroffenen leiden unter einem Drehgefühl oder Schwanken. "Die Ursachen sind sehr vielfältig", erklärt Dr. Gerhard Schillinger, Facharzt für Neurochirurgie im AOK-Bundesverband. "Schildern Sie Ihrem Mediziner deshalb ganz genau die Art des Schwindels und die Situationen, in denen die Beschwerden auftreten. Sind die Ursachen erst einmal gefunden, lassen sie sich gezielt behandeln."

Schwindel entsteht häufig aus widersprüchlichen Informationen von Sinnesorganen, die dem Körper helfen, das Gleichgewicht zu halten. Zu diesem Balancesystem gehören die Augen, die Gleichgewichtsorgane der Innenohren sowie Muskel- und Gelenkrezeptoren. In den beiden Gleichgewichtsorganen rechts und links im Innenohr ermitteln drei flüssigkeitsgefüllte Bogengänge die Drehbewegungen des Kopfes. Gleichzeitig nehmen dort Härchen mit kleinen Kristallkörnchen, sogenannte Statholithen, die Stellung des Kopfes im Raum wahr.

Bei der Orientierung im Raum hilft außerdem ein System der Tiefenwahrnehmung, das über Rezeptoren an Gelenken, Muskeln, Sehnen und der Haut dem Gehirn eine Rückmeldung über die Stellung des Körpers, vor allem der Halswirbelsäule und der Beine, gibt. Die Fülle der Informationen wird an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.

Gestörtes Gleichgewichtssystem

"Wird die Kommunikation in diesem System gestört, gerät die Welt aus dem Gleichgewicht", erklärt AOK-Arzt Schillinger. Beim Lesen im Auto etwa sind die Augen auf die bewegungslose Schrift fixiert, während das Gleichgewichtsorgan und die Tiefenwahrnehmung die Beschleunigungen registrieren. Zu ähnlichen Unstimmigkeiten kommt es bei Schiffsreisen oder im Aufzug. Normalerweise verschwinden die Beschwerden bald wieder.

Doch bei vielen Menschen gerät die Welt auch ohne ersichtliche Ursache immer wieder ins Wanken, etwa durch Störungen der Gleichgewichtsorgane oder bei Kreislaufbeschwerden. Ist das Gleichgewichtsorgan im Ohr erkrankt oder komplett ausgefallen, spricht man von einem sogenannten vestibulären Schwindel. Die häufigste Form ist der Kopflage- oder Lagerungsschwindel, von dem meist ältere Menschen betroffen sind. Vor allem nachts beim Herumdrehen im Bett oder beim Aufrichten leiden die Patienten unter kurz andauernden Schwindelanfällen, die von Übelkeit, Erbrechen und Angstgefühl begleitet sein können.

Erkrankungen des Innenohrs

Weitere Ursachen des vestibulären Schwindels sind Virusinfektionen des Innenohrs oder andere Erkrankungen des Innenohrs wie Morbus Menière. Seltener sind Durchblutungsstörungen, Tumore, Epilepsie oder Multiple Sklerose für die Schwindelattacken verantwortlich. Morbus Menière tritt vor allem zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Die Krankheit äußert sich durch minuten- oder sogar stundenlange Schwindelattacken mit Fallneigung, Schweißbildung, Übelkeit und Erbrechen. Typischerweise treten beim Morbus Menière gemeinsam mit dem Schwindel auch eine Hörstörung und ein Tinnitus auf, es kann aber auch jedes dieser Symptome alleine vorkommen.

Auslöser für Benommenheit und Schwarzwerden vor Augen können zudem ein niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Halswirbelsäule oder Sehstörungen sein. Manchmal ist Schwindel auch seelisch bedingt, etwa durch Ängste oder Depressionen, die die Patienten aus dem Gleichgewicht bringen. Darüber hinaus können bestimmte Medikamente zu Benommenheit führen.

Ärztliche Diagnose einholen

"Wem häufig schwindelig ist, sollte unbedingt zum Arzt gehen", rät Schillinger. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, da Schwindel sehr vielfältige Ursachen haben kann, die unterschiedlichen Organe betreffen. Der Hausarzt kann, wenn es notwendig sein sollte, weitere Spezialisten einbeziehen, zum Beispiel einen HNO-Arzt, einen Neurologen oder einen Orthopäden. Unter Umständen sind auch kardiologische und psychiatrische Untersuchungen notwendig.

Am wichtigsten bei der Suche nach den Ursachen des Schwindels ist die exakte Schilderung des Patienten, wie der Schwindel sich äußert (unter anderem Drehschwindel oder Schwankschwindel), bei welcher Gelegenheit er auftritt und wie lange er anhält. Zur weiteren Abklärung dienen die vollständige körperliche Untersuchung und spezielle Tests, mit denen das Gleichgewichtssystem untersucht werden kann. "Sind die Ursachen erst einmal gefunden, lässt sich der Schwindel gezielt behandeln", sagt Schillinger.

Je nach Diagnose muss manchmal die Grunderkrankung behandelt werden, etwa niedriger Blutdruck. Oft werden auch vorübergehend Medikamente verordnet, um den Schwindel zu lindern. Beim Lagerungsschwindel kann ein Gleichgewichtstraining helfen. Durch spezielle Lagerungsübungen lernt dabei das Gehirn, die veränderten Informationen aus den Gleichgewichtsorganen und aus dem Körper wieder sinnvoll zu verarbeiten.

"Auch wenn es nahe liegt – Schonung ist bei Schwindel nicht das erste Mittel der Wahl. Spätestens nach zwei Tagen sollte eine Bettruhe beendet werden. Betroffene sollten sich außerdem regelmäßig bewegen – so können sie ihren Gleichgewichtssinn und ihren Kreislauf aktivieren und stärken", empfiehlt Schillinger. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Walken.

Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes

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