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Arbeitslos und gut versichert(2004-04-01 12:00:00)

Bei 1,1 Prozent liegt das Risiko, in Deutschland arbeitslos zu werden. Bei Jobverlust muss man mit 60 Prozent des bisherigen Gehaltes auskommen. Doch man kann vorsorgen ...

Gut versichert in die Arbeitslosigkeit


Die Deutschen sind bekanntlich ein versicherungsfreudiges Volk. Ob Leben, Hausrat oder Autos - alles wird abgesichert. Natürlich sind nicht alle Versicherungen freiwillig: Vorsorge für Krankheit, Alter oder Unfall ist in Deutschland Pflicht, außerdem will der Staat das Risiko der Arbeitslosigkeit abdecken. 6,5 Prozent des Gehalts fließen in die staatliche Arbeitslosigkeitsversicherung.

Dafür erhält man dann im Falle der Arbeitslosigkeit 60 bzw. 67 Prozent (wenn man Kinder hat) des letzten Nettogehalts. Das ist nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass fixe Kosten auch nach dem Job-Verlust erst mal weiterlaufen. Natürlich kann man fortan bei Aldi einkaufen und das Freizeitprogramm zusammenstreichen, aber Miete, Versicherungsbeiträge und Tilgungsraten müssen auch bei Arbeitslosigkeit gezahlt werden.

Wie gut, dass man vorsorgen kann: die Versicherungsbranche bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, dem Risiko der Arbeitslosigkeit zu begegnen. So gibt es Policen, die Baudarlehen und Kredite weiter abzahlen und solche, die für Versicherungsprämien aufkommen. Und natürlich wird auch die simpelste Lösung angeboten: die Aufstockung des Arbeitslosengelds, so dass man seinen finanziellen Verpflichtungen weiterhin selbst nachkommen kann.

Klingt gut, trotzdem gibt es für dieses Modell nur einen einzigen Anbieter: Die Volksfürsorge, bei der die Police schlicht "Private Vorsorge bei Arbeitslosigkeit" (PVA) heißt. Der Name sagt allerdings nicht alles: die Versicherung bietet nicht nur Schutz bei Arbeitslosigkeit, sie ist gleichzeitig ein Sparvertrag. Wie bei den Beiträgen zur Kapitallebensversicherung zahlt man auch bei der PVA einen Sparanteil und einen Versicherungsanteil.


Teurer Beitrag, wenig Leistung


Im Versicherungsfall stockt die Volksfürsorge das staatliche Arbeitslosengeld auf bis zu 90 Prozent des letzten Nettogehalts auf. Natürlich nur für einen begrenzten Zeitraum, nach spätestens einem Jahr ist Schluss mit der Versicherungsleistung. Bezahlter Urlaub bis zur Rente ist also nicht drin.

Wer kurz vor der Entlassung steht, kommt zu spät: Die Versicherung zahlt frühestens zwei Jahre nach Vertragsabschluss. Auch Berufseinsteiger haben schlechte Karten: Voraussetzung für den Abschluss der Police ist, dass man seit mindestens 3 Jahren (Ostdeutschland 2 Jahre) in einem unbefristeten und ungekündigten Vollzeit-Arbeitsverhältnis steht.

Man merkt schon: bei dieser Zielgruppe ist Arbeitslosigkeit eher unwahrscheinlich. Muss die Versicherung tatsächlich einmal zahlen, dauert es, bis man die Police erneut in Anspruch nehmen kann. Das folgende Arbeitsverhältnis muss mindestens dreimal so lang sein wie die vorherige Arbeitslosigkeit, ansonsten steht man bei einer erneuten Kündigung ohne Versicherungsschutz da.

Wer die Versicherungsleistung bis zum 53. Lebensjahr nicht gebraucht hat und 15 Jahre eingezahlt hat, erhält seine Beiträge zurück - zumindest zum Teil. Der Versicherungsanteil von 20 Prozent wird natürlich nicht erstattet. (Wer früher kündigt, sieht noch weniger Geld wieder).

Neben dem Sparanteil kommt eine Überschussbeteiligung zur Auszahlung - auf positive Überraschungen braucht man aber nicht hoffen. Der Bund der Versicherten geht von einer Rendite zwischen 2 und 2,5 Prozent aus. Mit einem täglich verfügbaren Tagesgeldkonto lassen sich bessere Ergebnisse erzielen.

Die Private Vorsorge bei Arbeitslosigkeit ist nicht ganz billig. Pro 100 Euro monatlicher Versicherungsleistung wird ein Beitrag von 12 Euro berechnet. Wer sein Arbeitslosengeld beispielsweise um 500 Euro aufstocken will, zahlt monatlich 60 Euro Versicherungsprämie. Hinzu kommt, dass die Beitragszahlungen auch bei Arbeitslosigkeit weiterlaufen. Im Beispiel bekäme der Arbeitslose tatsächlich also nur 440 Euro ausgezahlt. Wer nachrechnet merkt: Nach rund sieben Jahren hat man die maximale Versicherungssumme selbst angespart - Zinsen nicht mit eingerechnet.


Droht mit der Arbeitslosigkeit die Schuldenfalle?


Neben diesem zweifelhaften Rundum-Schutz gibt es weitere, teilweise sinnvollere Möglichkeiten, für den Fall der Arbeitslosigkeit vorzusorgen. So werden beispielsweise für die Absicherung von Krediten Restschuldversicherungen angeboten, die nicht nur bei Tod oder Arbeitsunfähigkeit, sondern auch bei Arbeitslosigkeit zahlen.

Wird der Kreditnehmer unverschuldet arbeitslos, übernimmt die Restschuldversicherung die Kreditraten. Die Konditionen unterscheiden sich: Manche Anbieter zahlen zwei Jahre lang, andere nur eins. Auch bei der maximalen Ratenhöhe gibt es Unterschiede. Oft ist im Vertrag eine Karenzzeit festgelegt. Während der ersten zwei oder drei Monate der Arbeitslosigkeit muss die Versicherung dann nicht zahlen. Findet man schnell eine neue Stelle, ist die Police also für die Katz.

Dabei ist der Versicherungsschutz nicht ganz billig. Bei der Berliner Bank kostet die Restschuldversicherung für einen 15.000 Euro-Kredit mit 48 Monaten Laufzeit rund 220 Euro, für Frauen 20 Euro weniger. Dafür sind dann auch die Risiken Tod und Arbeitsunfähigkeit mitversichert. Andere Anbieter sind beispielsweise Citibank und SEB, bei ihnen ist der Versicherungsschutz aber noch teurer.

Während sich die Arbeitslosigkeitsversicherung bei Krediten mit kürzeren Laufzeiten nicht unbedingt lohnt, kann sie zur Absicherung von Immobiliendarlehen durchaus geeignet sein. Beim Bau oder Kauf eines Hauses verschuldet man sich in der Regel über mehrere Jahrzehnte, die Unsicherheit über die berufliche Zukunft ist also relativ groß.

Bei einem Kredit mit drei oder vierjähriger Laufzeit lässt sich das Arbeitslosigkeitsrisiko dagegen leichter abschätzen. Zudem kann Arbeitslosigkeit beim Hypothekendarlehen dramatische Folgen haben, schlimmstenfalls droht die Zwangsversteigerung der Immobilie. Sicherheit kostet natürlich: Bei der R+V Versicherung ist man beispielsweise ab 2,20 Euro pro 50 Euro Absicherungssumme dabei. Wer im Versicherungsfall 500 Euro pro Monat braucht, zahlt also 22 Euro. Dafür ist bis zu ein Jahr Arbeitslosigkeit versichert.

Autokäufer dürfen sich über ein besonderes Angebot freuen, zumindest wenn sie sich einen VW, Seat oder Skoda anschaffen wollen. Die Hersteller wollen natürlich auch in schlechten Zeiten Autos verkaufen und legen deshalb bei Abschluss eines Kfz-Kredits eine kostenlose Arbeitslosigkeitsversicherung drauf. Die gilt während der ersten 2 Jahre eines Finanzierungs- oder Leasingvertrages und übernimmt im Falle der Arbeitslosigkeit bis zu 12 Monate lang die Kreditraten.


Versicherungsschutz für Versicherungen


Damit man mit seinem Job nicht auch noch seinen Versicherungsschutz los ist, kann man bei einigen Policen auch gleich den Fall der Arbeitslosigkeit mitversichern. Diese Versicherung der Versicherung wird insbesondere für Unfall- und Rechtsschutzpolicen angeboten. Wer den Zusatzschutz vereinbart hat und unverschuldet seinen Arbeitsplatz verliert, wird von den Versicherungsbeiträgen freigestellt.

Natürlich gelten auch hier Höchstgrenzen, spätestens nach einem bzw. zwei Jahren muss man einen neuen Job gefunden haben oder seine Beiträge wieder selber zahlen. Für die Versicherungs-Absicherung muss man je nach Anbieter Aufschläge zwischen 5 und 15 Prozent einkalkulieren.

Ist die Arbeitslosigkeit allerdings schon beschlossene Sache, nützt einem auch die teuerste Extra-Police wenig, die Versicherung greift nämlich erst einige Monate bzw. Jahre nach Vertragsbeginn.