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News

Gesundheitsfonds ab 2009: Jetzt noch die Kasse wechseln?(2008-08-14 16:03:44)

Gesundheitsfonds Der neue Beitrag, den ab dem kommenden Jahr jeder Krankenversicherte in den Gesundheitsfonds einzahlen wird, soll ab November feststehen. Experten rechnen mit 15,5 Prozent. Kassen mit aktuell günstigen Beiträgen raten, noch 2008 zu wechseln. Lohnt sich das wirklich? Und woran kann sich der preisbewusste Verbraucher künftig orientieren, wenn alle Kassen gleich viel kosten?

Wie funktioniert der Gesundheitsfonds?


(awe) In der gesetzlichen Arbeitslosen- und Rentenversicherung ist er ganz selbstverständlich, jetzt soll er auch in der Krankenversicherung eingeführt werden: Der einheitliche Versicherungsbeitrag. Alle gesetzlich Versicherten werden ab dem kommenden Jahr denselben Anteil ihres Bruttoeinkommens in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen - egal bei welcher Kasse sie versichert sind. Über den Fonds sollen die Beiträge gerechter an die Kassen verteilt werden und Bürokratie im Gesundheitssystem abgebaut werden. Bisher entscheidet jede Krankenkasse für sich, welchen Beitragssatz sie ihren Mitgliedern abverlangen will. Das macht auch den Schwerpunkt des Wettbewerbs unter den mehr als 200 Kassen in Deutschland aus, denn die Höhe des monatlichen Beitrags ist für viele Versicherte bisher das entscheidende Kriterium bei der Wahl einer neuen Krankenkasse. Diese Möglichkeit zu sparen wird preisbewussten Verbrauchern in Zukunft genommen. Gleicher Beitragssatz für Alle Der neue Versicherungsbeitrag ist als Teil der Gesundheitsreform nun Sache des Bundesministeriums für Gesundheit. Zum ersten November soll der genaue Satz feststehen, errechnet wird er aus den erwarteten Ausgaben des Gesundheitssystems. Voraussichtlich liegt der neue Versichertenbeitrag ab 2009 bei 15 bis 15,5 Prozent und gilt solange, bis das Gesundheitsministerium einen neuen Beitrag festlegt. Je nachdem, ob die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung über den Fonds gedeckt werden, kann der Prozentsatz über mehrere Jahre gleichbleiben, aber auch steigen oder sinken. In den Gesundheitsfonds fließen neben den Versichertenbeiträgen auch Steuergelder. Arbeitgeber sollen auch künftig die Beiträge ihrer Angestellten komplett überweisen, nach einer Übergangsfrist allerdings nicht mehr an die einzelnen Kassen, sondern über eine Weiterleitungsstelle in den Gesundheitsfonds. Von dort aus werden die Beiträge als Pauschale je nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand der Versicherten an die Krankenkassen verteilt. Der Fonds wird vom Bundesversicherungsamt verwaltet. Für jeden gesunden Versicherten erhält die Kasse eine Pauschale, für bestimmte Krankheiten gibt es Zuschüsse aus dem Gesundheitsfonds. Dieser so genannte morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich orientiert sich an der uneinheitlichen Krankheitsbelastung der Versicherten in den verschiedenen Kassen. Berechnet werden die Mehrausgaben für ungefähr 50 bis 80 verschiedene Krankheiten. So sollen die Beiträge gerechter verteilt werden und Kassen mit vielen chronisch kranken und älteren Versicherten nicht unverhältnismäßig belastet werden. Hier finden Sie viele Informationen und Tipps zur gesetzlichen Krankenversicherung . Lesen Sie auf der folgenden Seite, welche Zahlungen neben dem Beitrag noch auf die Versicherten zukommen können.


Was zahlt der Versicherte ab 2009?


Da die Beiträge der meisten Krankenkassen in Deutschland aktuell noch unter der 15-Prozent-Marke liegen, gibt es für viele gesetzlich Versicherte eine Steigerung ihrer monatlichen Versicherungskosten ab 2009. So wird es in erster Linie teurer für die, die bisher besonders preisbewusst versichert waren. Ein Rechenbeispiel: Eine Angestellte mit einem monatlichen Gehalt von 2.200 Euro brutto, die in der BIG direkt mit einem derzeitigen Beitragssatz von 12,5 Prozent versichert ist, muss ab 2009 mit einer Erhöhung von 33 Euro pro Monat rechnen - vorausgesetzt, der neue Beitrag liegt tatsächlich bei 15,5 Prozent. Zu gleichen Teilen geht die Mehrbelastung auch an ihren Arbeitgeber. Wer hingegen bei der AOK Berlin einen Versicherungsbeitrag von derzeit 15,8 Prozent zahlt, kann ab 2009 sogar sparen: Eine Angestellte mit dem Bruttogehalt von 2.200 Euro hat am Monatsende gut drei Euro mehr in der Tasche - immerhin. Zusatzbeitrag oder Prämie? Doch mit dem allgemein gültigen Beitrag ist es nicht getan. Denn jede Kasse ist berechtigt, einen Zusatzbeitrag zu erheben, wenn sie mit den Mitteln aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommt. Diese Zuzahlung darf allerdings maximal ein Prozent des Bruttoverdienstes eines Versicherten ausmachen; ohne Einkommensbezug sind von jedem Kassenmitglied monatlich acht Euro Zusatzbeitrag möglich. In jedem Fall muss die Krankenkasse ihre Versicherten auf das außerordentliche Kündigungsrecht wegen Beitragserhöhung hinweisen. Das fällt allerdings weg, wenn ein Versicherter sich an einen Wahltarif und damit für drei Jahre an die Kasse gebunden hat. Viele Informationen zu den Wahltarifen finden Sie in unserem Helpcenter zur gesetzlichen Krankenversicherung . Auf der anderen Seite können Kassen, die schuldenfrei sind und gut wirtschaften, ihre Mitglieder durch Prämien an den Gewinnen beteiligen. Die Höhe dieser Rückerstattungsprämie kann in Zukunft neben den Leistungen ein entscheidendes Kriterium sein, nach dem man seine Krankenkasse aussuchen sollte. So wird der Wettbewerb unter den Kassen neu gestaltet. Wann dies soweit sein wird, ist jedoch ungewiss, denn im Prinzip wird erst die Praxis zeigen, ob die Kassen mit den Versichertenpauschalen auskommen oder sogar Gewinne machen. Gesetzlich geregelt ist es allerdings nicht, ob und in welcher Form eine Prämie ausgezahlt wird. Lesen Sie auf der folgenden Seite, ob es sich lohnt, noch in diesem Jahr die Krankenkasse zu wechseln und an welche Kündigungsfristen Sie gebunden sind.


Wechseln noch 2008?


Viele Kassen locken mit ihren derzeit noch günstigen Beiträgen: Die Versicherten sollen jetzt noch wechseln und für den Rest des Jahres sparen. Lohnt sich das? Unserer Meinung nach: Nein. Wer seine Krankenkasse noch in diesem Jahr wechseln will, dem bleibt kaum noch Zeit zu sparen. Warum? Nach der gesetzlich vorgeschriebenen Bestandszeit von 18 Monaten kann man seine Krankenversicherung jederzeit ohne Grund bis zum Ende des übernächsten Monats kündigen. Wer also im August noch die Kündigung abschickt, bleibt bis Ende Oktober in seiner alten Kasse und ist ab November Mitglied in der neuen Versicherung. Für zwei Monate zahlt der Versicherte dann noch den günstigeren Beitrag der neuen Kasse, danach gilt der einheitliche Beitrag. Geringe Sparmöglichkeit Am Beispiel der beiden oben genannten Kassen errechnet sich die mögliche Ersparnis wie folgt: Bei einem Wechsel von der AOK Berlin in die BIG direkt kann man bei einem Monatsbrutto von 2.200 Euro in diesem Jahr noch ganze 72,60 Euro sparen - vorausgesetzt man kündigt jetzt schnell innerhalb der nächsten Wochen. Doch, wer im Grunde mit den Leistungen seiner Kasse zufrieden ist, sollte erst einmal bleiben. Denn nach dem Wechsel ist man zunächst für eineinhalb Jahre (so genannte Bindungsfrist) an die neue Kasse gebunden. Und wer dann feststellt, dass die neue Versicherung den Ansprüchen - Service und Leistungsumfang - doch nicht genügt, kann erst ab 2010 wieder kündigen. Mehr zur Kündigungsfrist und viele weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung finden Sie in unserem Ratgeber: "Gesetzliche Krankenversicherung - aber günstig" Die Krankenkassen bieten ihren Versicherten zwar alles, was im gesetzlichen Leistungskatalog festgelegt ist, einige Kassen gehen jedoch auch darüber hinaus. So übernehmen bereits jetzt schon einige gesetzliche Krankenversicherungen die Kosten für alternative Heilmethoden, wie z.B. für einige Naturheilverfahren oder für zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche . Kein Sonderkündigungsrecht: Normalerweise gibt es bei einer Beitragserhöhung durch die Krankenkasse ein Sonderkündigungsrecht. Das greift jedoch im Januar nicht, weil der neue Beitrag gesetzlich festgelegt wird. Auch in diesem Fall gelten die 18-monatige Bestandszeit oder allenfalls ein Sonderkündigungsrecht, wenn die Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt. Bei den von der Krankenkasse freiwillig angebotenen Wahltarifen bindet man sich seit der Gesundheitsreform 2007 sogar für drei Jahre an die aktuelle Kasse. Wer also mit seiner Versicherung einen Selbstbehalt, eine Beitragserstattung oder eine Kostenerstattung vereinbart hat, kann auch bei einer Beitragserhöhung kein Sonderkündigungsrecht wahrnehmen. Deswegen sollte man in diesem Jahr nicht mehr und erst recht nicht überstürzt in eine vermeintliche "Billigkasse" wechseln, sondern bei Bedarf ab 2009 eine Krankenversicherung mit guten Leistungen, guten Prämienzahlungen und ohne Zusatzbeitrag aussuchen, wenn es dazu genauere Aussagen gibt. Ohnehin erhöhen derzeit noch viele Kassen ihre Beitragssätze, sodass die mögliche Ersparnis in den folgenden Monaten immer schmaler wird. Diskutieren Sie mit! Was denken Sie über den Gesundheitsfonds? Bringt er Erleichterung in der Bürokratie oder macht er das System der gesetzlichen Krankenversicherung doch unüberschaubarer? Diskutieren Sie mit den forium Experten in unserem Forum für Steuern, Versicherungen und Finanzen.