Berufshaftpflichtversicherungen vergleichen

Notwendiger Schutz für viele Berufe

Die Berufshaftpflichtversicherung prüft im Schadensfall die Ansprüche der gegnerischen Partei und wehrt sie gegebenenfalls vor Gericht ab.

Sie übernimmt zum einen die Funktion einer passiven Rechtsschutzversicherung. Zum anderen gleicht sie berechtigte Forderungen bis zur Höhe der Deckungssumme aus.

Die Höhe der Prämie

Die Höhe der Prämien richtet sich nach den berechnungsrelevanten Risiken, beispielsweise dem Umsatz oder der Mitarbeiterzahl. Um einer Unterversicherung vorzubeugen, muss der Freiberufler jedes Jahr einen Fragebogen ausfüllen. Ändern sich die Risiken, wird der Beitrag entsprechend angepasst.

Ratgeber


Notwendiger Schutz für viele Berufe


In manchen Berufen haben Fehler teure Folgen: Wenn wegen des Planungsfehlers eines Ingenieurs ein Gebäude umgebaut werden muss, wenn ein Steuerberater eine gesetzliche Neuregelung übersieht, wodurch seinem Klienten tausende von Euro durch die Lappen gehen, oder wenn ein Patient einen Chirurgen nach missglückter Operation auf Schadenersatz verklagt, hilft nur noch die Berufshaftpflichtversicherung (BHV). In vielen Berufen ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung daher auch gesetzlich vorgeschrieben. So dürfen Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Ärzte oder Notare gar nicht ohne Haftpflichtpolice praktizieren. Auch freiberufliche Architekten und beratende Ingenieure sind von ihrer Kammer aus zum Abschluss der Versicherung verpflichtet. Aus guten Grund: Schließlich können Schadenersatzforderungen gegen Angehörige dieser Berufsgruppen exorbitante Ausmaße annehmen. Die Berufshaftpflichtversicherung prüft im Schadensfall die Ansprüche der gegnerischen Partei und wehrt sie gegebenenfalls vor Gericht ab. Sie übernimmt also zum einen die Funktion einer passiven Rechtsschutzversicherung. Zum anderen gleicht sie berechtigte Forderungen bis zur Höhe der Deckungssumme aus.


Versicherungssumme und -leistungen


Wie hoch die Deckungssumme mindestens sein muss, ist in den meisten Berufen gesetzlich vorgeschrieben:
  • Rechtsanwälte: 250.000 Euro
  • Notare: 500.000 Euro
  • Steuerberater: 250.000 Euro
  • Versicherungsvermittler: 1 Mio. Euro
  • Wirtschaftsprüfer: 1 Mio. Euro
  • Architekten / Bauingenieure: In den Landesbauordnungen geregelt, empfohlene Mindestdeckung: 2,0 Mio. Euro für Personenschäden, 300.000 für sonstige Schäden
Die vereinbarte Versicherungssumme bezieht sich auf den einzelnen Schaden. Oft zahlen die Versicherungen aber nicht mehr als die doppelte Versicherungssumme pro Jahr. Außerdem ist eine Selbstbeteiligung des Versicherten üblich, die durchaus einige tausend Euro betragen kann. In der Regel sind sowohl Vermögensschäden also auch Sach- und Personenschäden versichert. In einigen Berufsgruppen kommt es aber vor allem auf die Deckung von Vermögensschäden an. Für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Anwälte werden daher reine Vermögensschadenpolicen angeboten. Um auch das Betriebsstättenrisiko abzusichern, kann der Abschluss einer separaten Bürohaftpflichtversicherung sinnvoll sein. Deckt die Berufshaftpflichtversicherung alle Schadensarten ab, kann man den Schutz bei vielen Versicherern auch auf den privaten Bereich ausdehnen. Die Familie des Selbständigen ist dann meist mitversichert. Wie bei jeder Haftpflichtpolice sind Eigenschäden nicht versichert. Ebenso wenig wie Schäden, die durch eine wissentliche Pflichtverletzung entstanden sind. Die BHV zahlt nur für Schäden, die nach Vertragsabschluss entstanden sind. Für den Fall, dass die Schadensursache weiter zurückliegt, gibt es die Möglichkeit einer zeitlich begrenzten Rückwärtsversicherung. Sie greift allerdings nur, wenn der Schaden vor Versicherungsbeginn nicht bekannt war. Von der Rückwärtsversicherung zu unterscheiden ist die Nachhaftungsversicherung. Gibt der Versicherte seine Selbständigkeit auf, zahlt die Versicherung auch noch bei Schäden, die einige Jahre nach Kündigung der Police eintreten.


Laufzeit


Der Versicherungsvertrag kann für eine Laufzeit zwischen einem und fünf Jahren abgeschlossen werden. Wer sich länger als ein Jahr bindet, erhält bei den meisten Gesellschaften einen Rabatt. Die Laufzeit verlängert sich um ein Jahr, wenn nicht drei Monate vor Ende des Vertragsjahres gekündigt wird. Gibt der Versicherte seinen Beruf bzw. die Selbständigkeit auf, kann er die Police natürlich schon vorher kündigen, zuviel gezahlte Prämien werden dann zurückerstattet. Die Höhe der Prämien richtet sich nach den berechnungsrelevanten Risiken, beispielsweise dem Umsatz oder der Mitarbeiterzahl. Um einer Unterversicherung vorzubeugen, muss der Freiberufler jedes Jahr einen Fragebogen ausfüllen. Ändern sich die Risiken, wird der Beitrag entsprechend angepasst.


Architekten / Bauingenieure


Neben selbständigen Architekten und Bauingenieuren brauchen auch beratende Ingenieure (z.B. Vermessung, Tragwerksplaner) eine Berufshaftpflichtversicherung. Sie haften nicht nur für eigene Fehler, sondern auch für die ihrer Mitarbeiter. Die Berufshaftpflichtpolice deckt die Bereiche Planung, Konstruktion, Beratung, Objektüberwachung und Begutachtung ab. Eine einheitliche Mindestversicherungssumme gibt es nicht. Die jeweiligen Landesbauordnungen schreiben für die verschiedenen Tätigkeitsfelder unterschiedliche Versicherungssummen vor. Eine Deckung von 2.000.000 Euro für Personen- und 300.000 Euro für sonstige Schäden dürfte in den meisten Fällen ausreichen. Allerdings sollte die Versicherungssumme 10 bis 20 Prozent der Baukosten nicht unterschreiten. Für besonders hohe Bausummen gibt es die Möglichkeit einer Exzedentenversicherung. Sie erhöht die Deckung einer bestehenden Police und kann gegebenenfalls auch bei einem anderen Anbieter abgeschlossen werden. Der Versicherungsschutz erstreckt sich in der Regel auf Deutschland und Europa bzw. die EU-Länder. Folgende Punkte kann der Vertrag enthalten:
  • Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften
  • Mietsachschäden
  • Subunternehmer
  • Schäden aus Überschreitung der Kosten
  • Schäden aus Überschreitung von Fristen und Terminen
Vorsicht! Werden garantierte Termine oder Kostenrahmen überschritten, zahlt die Versicherung normalerweise nicht.


Anwälte / Notare


Rechtsanwälte und Notare haften grundsätzlich unbegrenzt, wenn ihren Mandanten durch Fristversäumnisse, falsche Beratung, Prozessführung oder Beurkundung ein Vermögensschaden entsteht. Während Rechtsanwälte ihre Haftung durch Einzelvereinbarungen mit ihren Mandanten auf 250.000 Euro begrenzen können, haben Notare diese Möglichkeit nicht. Bei ihnen ist auch die Verjährungsfrist für Schadenersatzansprüche mit 30 Jahren wesentlich höher als bei Rechtsanwälten. Für diese endet die Frist schon nach drei Jahren. Die Bundesnotarordnung und die Bundesrechtsanwaltsordnung verpflichten zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung für Vermögensschäden. Anwälte müssen mindestens 250.000 Euro versichern, bei Notaren ist die Mindestversicherungssumme doppelt so hoch. Mitversichert sind oft Tätigkeiten des Rechtsanwalts als Insolvenzverwalter, Testamentsvollstrecker, Vormund und Notarsvertreter. Betätigt sich der Anwalt dagegen als Makler, Vermögensverwalter oder Aufsichtsratsmitglied, sind diese Berufsfelder nicht geschützt. Die Beschäftigung mit europäischem Recht ist in der Regel versichert, außereuropäische Fälle müssen jedoch gesondert eingeschlossen werden.


Steuerberater


Die Nichteinhaltung von Fristen ist eine der wichtigsten Gefahrenquellen, der sich Steuerberater gegenüber sehen. Andere Risiken sind Rechtsirrtümer, Übersehen oder unterlassene Hinweise. Wie hoch das individuelle Risikopotential ist, hängt unter anderem von der Anzahl der Mandanten und dem Anteil gewerblicher Mandate ab. Wichtig sind auch die beruflichen Schwerpunkte, z.B. Buchführung, Insolvenzverwaltung, Testamentsvollstreckung und private Finanzplanung. Sie müssen gegebenenfalls im Versicherungsvertrag angegeben werden. Selbständige Steuerberater müssen sich laut Berufsordnung angemessen gegen Haftpflichtgefahren versichern. Welche Summe angemessen ist, regelt die DVStB: Die gesetzlich vorgeschriebene Deckungssumme beträgt 250.000 Euro pro Versicherungsfall (maximal eine Mio. Euro pro Versicherungsjahr).


Niedergelassene Ärzte


Die Berufsordnung verpflichtet Ärzte, sich angemessen gegen Haftpflichtgefahren zu versichern. Wie der Versicherungsumfang im Einzelnen aussehen soll, ist aber nicht vorgegeben. So muss jeder Arzt die individuelle Risikosituation prüfen. Niedergelassene Ärzte haften nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Fehler ihrer Angestellten. Da diese Fehler nicht nur finanzielle Folgen haben können, ist die Versicherung von Personenschäden unbedingt notwendig. Eine einheitliche Deckungssumme ist dafür nicht vorgeschrieben, als Richtwert kann eine Mindestsumme von 2,5 Mio. Euro dienen. Bei Sach- und Vermögensschäden genügt eine geringere Deckung. Individuelle Tätigkeitsfelder wie naturheilkundliche oder kosmetische Behandlungen müssen gesondert im Versicherungsvertrag vereinbart werden. Außerdem sollte der Vertrag unter anderem gegebenenfalls die folgenden Punkte regeln:
  • Notarzteinsätze (evtl. Erste-Hilfe im Ausland)
  • Röntgeneinrichtingen
  • Laseranlagen
  • Gutachter- und Konsiliartätigkeit