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News

Mehr Fairness bei Versicherungen(2002-07-30 12:00:00)

Kaum eine Branche hat einen so schlechten Ruf wie das Versicherungswesen. Der Ombudsmann für Versicherungen soll dem entgegenwirken und bei Streitfällen schlichten.

Aufdringliche Vertreter


Kaum eine Branche hat einen so schlechten Ruf wie das Versicherungswesen. Aufdringliche Vertreter, Unverständliches oder Unlesbares im Kleingedruckten oder aber Zahlungsverweigerung der Versicherung im Schadensfall sind Vorkommnisse, die immer wieder Verbraucherschützer auf den Plan rufen.

Die "Organisation des Versicherungsombudsmann e.V."
Um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und das angekratzte Image aufzupolieren, haben sich 90 Prozent aller deutschen Versicherungsgesellschaften zusammengeschlossen und die Schlichtungsstelle "Verein Ombudsmann" gegründet. Dabei handelt es sich um eine außergerichtliche Schiedsstelle, die der Versicherungskunde bei Streitigkeiten mit seinem Versicherer anrufen kann.

Der Kunde hat nichts zu verlieren
Im Streitfall soll der Ombudsmann schlichten und damit ein Gerichtsverfahren vermeiden. Voraussetzung ist allerdings, dass bisher weder ein Gerichtsweg eingeschlagen noch das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen eingeschaltet wurde.

Ist der Kunde mit der Entscheidung des Schlichters nicht einverstanden, kann er nachher immer noch vor Gericht klagen. Außerdem wird für die Dauer des Ombudsmannverfahrens die Verjährungsfrist ausgesetzt.




Wann kann der Ombudsmann helfen?


Grundsätzlich kann sich jeder private Versicherungsnehmer beim "Verein Ombudsmann" per Brief, E-Mail oder Telefon melden. Streitigkeiten die in Zusammenhang mit der Sozialversicherung, der Kranken- oder Kreditversicherung stehen, werden nicht berücksichtigt, weil diese Versicherungen nicht dem "Verein Ombudsmann" angehören. Für solche Streitigkeiten wurde eine separate Schlichtungsstelle der Kranken- und Pflegeversicherung ins Leben gerufen.

Für die Mitglieder im "Verein Ombudsmann" sind die Entscheidungen bis zu einem Streitwert von 5.000 Euro bindend. Bei höheren Streitwerten kann der Ombudsmann dagegen nur Empfehlungen aussprechen. Diese sind für beide Seiten unverbindlich, allerdings sollten sich die Versicherungsunternehmen nach der Vorstellung des Vereins daran orientieren.

Eine weitere wichtige Einschränkung besteht darin, dass der Ombudsmann nur zwischen den Versicherungsgesellschaften und ihren Versicherungsnehmern vermittelt, wenn es also um Streitigkeiten zwischen den beiden Vertragspartnern geht. Andere Streitfälle, beispielsweise zwischen einem Geschädigten und der Versicherung eines Dritten, fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich des Ombudsmanns. Sie müssen von dem Geschädigten also vor Gericht ausgetragen werden.




Schlichtungsverfahren


Wenn Sie Ärger mit Ihrer Versicherung haben und sich auch schon selbst dort beschwert haben, ohne zu einer Einigung zu gelangen, sind Sie beim Ombudsmann an der richtigen Stelle. Durch das Ombudsmann-Verfahren sparen Sie Anwalts- und Gerichtskosten und vor allem Zeit. Die Entscheidungen werden in höchstens drei Monaten gefällt und sibnd für den Antragsteller kostenfrei.

Wenn Sie sich an den Ombudsmann wenden, sollten Sie ihm Ihre persönlichen Daten, Ihre Versicherungsnummer und alle relevanten Unterlagen in Kopie zur Verfügung stellen. Die Entscheidungen werden auf dem Schriftweg gefällt. Persönliche Anhörungen oder Zeugenbefragungen sind in dem derzeitigen Verfahren nicht vorgesehen.

Wenn Sie mit der Entscheidung des Ombudsmannes allerdings nicht einverstanden sind, können Sie immer noch vor ein ordentliches Gericht ziehen. Während der Dauer des Vermittlungsverfahrens durch den Ombudsmann wird die Verjährungsfrist für Streitfälle, die in vielen Versicherungsverträgen festgesetzt ist, ausgesetzt. Bei seinen bisherigen Entscheidung hat der Ombudsmann aber ohnehin meist im Sinne des Versicherungsnehmers geurteilt.




Wer ist der Ombudsmann?


Der erste offizielle Ombudsmann der Versicherungen, Professor Wolfgang Römer, ist seit dem 1.10.2001 im Amt und war bis zu seiner Pensionierung Richter beim Bundesgerichtshof. Die Tätigkeit des Ombudsmann soll streng neutral sein, allerdings wird er von den Versicherungsunternehmen bezahlt.

Um die Neutralität zu gewährleisten, hat man daher eine Satzung und eine Verfahrensordnung hergestellt, die dem Ombudsmann Selbstständigkeit garantiert. Der Ombudsmann kann für maximal fünf Jahre gewählt werden. Das soll verhindern, dass er sich mit seinen Entscheidungen an einem Unternehmen orientiert, um wiedergewählt zu werden. Neutralität und Unbestechlichkeit sollten für einen ehemaligen Richter aber ohnehin kein Problem sein.




Schlichtungsstelle


Auch privat Kranken- und Pflegeversicherte haben die Möglichkeit sich an einen außergerichtlichen Streitschlichter zu wenden. Der Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung ist seit dem 1.10.2001 der Versicherungsjournalist und Schriftsteller Arno Suminski.

Die Verfahren erfolgen auch hier schriftlich und nur in Ausnahmefällen werden Streitigkeiten mündlich verhandelt. Außerdem werden nur Beschwerden bearbeitet, die noch nicht vor Gericht oder einer anderen Schiedsstelle behandelt wurden.

Im Unterschied zum Schlichter der privaten Versicherungen sind die Empfehlungen des PKV-Ombudsmanns immer für beide Seiten unverbindlich. Die Versicherungen können sich also daran halten, müssen aber nicht.




Zeit und Geld sparen


Auch wenn die Entscheidungen der Ombudsmänner nicht in allen Fällen verbindlich sind, lohnt es sich, auf deren Hilfe zurückzukommen. Zum einen handelt es sich um eine für Versicherungsnehmer kostenfreie Dienstleistung, zum anderen könnte man wirklich zu einer gütlichen Einigung kommen.

Sie haben also nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen: Vor allem Zeit, Nerven und eventuell auch viel Geld. Auf einen Versuch kommt es an.

So erreichen Sie die Ombudsmänner:
    Ombudsmann für den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft
    Kronenstr. 13
    10117 Berlin
    Telefon: 01804 - 22 44 24
    www.versicherungsombudsmann.de

    Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung
    Leipziger Str. 104
    10117 Berlin
    Telefon: 0180 - 2 55 04 44
    www.pkv-ombudsmann.de