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07.09.2009

Sparkasse Leipzig verleiht Medienpreis 2009

Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig geht im Jahr 2009 zu gleichen Teilen an den italienischen Journalisten und Schriftsteller Roberto Saviano, den kroatischen Redakteur Dusan Miljus und den türkischen Chefredakteur und Autoren Ahmet Altan.

Roberto Saviano, in einer Kleinstadt nahe der Camorra-Hochburg Neapel geboren, setzt sich seit Jahren durch seine journalistische und schriftstellerische Arbeit über diese Verbrecher-Organisation für die Freiheit der Presse ein. 2006 veröffentlichte er "Gomorrha", eine Mischung aus Roman und Reportage, der auch verfilmt wurde. Darin beschreibt er detailliert die Praktiken der Mafiosi, ihre Verstrickung in Wirtschaft und Politik und nennt die Tätern und deren Geschäfte beim Namen. Ein Clan der Camorra setzte ihn deswegen auf seine Todesliste, schickte ihm mehrere Morddrohungen. Nachdem sich Schriftsteller Umberto Eco und sogar das Nobel-Komitee für seine Sicherheit einsetzten, steht Saviano ständig unter Polizeischutz und wechselt im Zwei-Tages-Rhythmus seine Verstecke.

Polizeischutz rund um die Uhr - das kennzeichnet auch das Leben von Dusan Miljus, leitender Redakteur der kroatischen Tageszeitung "Jutarnji List", nachdem er im Juni 2008 von zwei Unbekannten vor seinem Haus mit Baseballschlägern verprügelt wurde. Die Täter brachen ihm den Arm, er erlitt zudem eine Gehirnerschütterung. Schon vor dem Überfall hatte er Drohbriefe erhalten, in einer Konkurrenzzeitung war seine Todesanzeige erschienen. Vermutlicher Anlass für die Drohungen und den Überfall: Artikel über Waffenschmuggel zwischen der Europäischen Union und ehemaligen jugoslawischen Staaten sowie über die Mafia im städtischen Baugewerbe. Auch Dusan Miljus nannte die Täter beim Namen. Sein Fall ist zum Symbol für mutigen Journalismus in Kroatien geworden. Seit dem Überfall veröffentlicht seine Zeitung immer wieder das Foto ihres leitenden Redakteurs - bis das Verbrechen lückenlos aufgeklärt sein wird.

"Man muss verrückt sein, um so etwas zu machen", sagt Ahmet Altan über seine Arbeit. Er ist Chefredakteur der 2007 gegründeten Tageszeitung "Taraf", zu Deutsch "Standpunkt", die mit etlichen Enthüllungsgeschichten Aufsehen in der Türkei erregte. Altan begann seine Karriere als Journalist, war Kolumnist renommierter Zeitungen wie "Hürriyet" oder "Milliyet", geriet dabei jedoch mehrmals mit der Staatsmacht in Konflikt. "Milliyet" entließ ihn, als er den fiktiven Staat Kurday skizzierte, in dem mehrheitlich Kurden leben. Er war gezwungen, sich auf das Schreiben von Romanen zu verlegen, bis er für "Taraf" wieder journalistisch tätig wurde. Im September 2008 widmete er den Opfern des Genozids an den Armeniern einen Beitrag und wurde angeklagt, das Türkentum zu spalten. Auch danach machte sich "Taraf" mit couragierten Berichten Feinde bei der Regierung und beim Militär, insbesondere durch einen Artikel über einen Anschlag der kurdischen Partei PKK, bei dem 17 Soldaten starben. In dem Bericht hieß es, die Armee habe von der Aktion gewusst, aber nichts dagegen unternommen. Anzeigenkunden meiden "Taraf", Behörden verklagen das Blatt regelmäßig, so dass es unter extremen wirtschaftlichen Problemen leidet. Die von ausländischen Korrespondenten in der Türkei als idealistisch und kompromisslos eingeschätzte Zeitung hält unter Chefredakteur Altan trotz dieser Probleme und Bedrohungen unbeirrt an ihrem Kurs fest.

Der Preis wird bereits zum neunten Mal vergeben. Wie in den Vorjahren findet die festliche Verleihung am 8. Oktober statt, dem Vorabend des Jahrstages der für das Gelingen der friedlichen Revolution in der damaligen DDR entscheidenden Leipziger Großdemonstration vom 9. Oktober 1989. Mit dem Datum 8. Oktober betont die Medienstiftung die ideelle Verbindung des Preises zur 89-er Wende, war doch der Wunsch nach Pressefreiheit eine der Triebfedern der Demonstranten. Diesen Zusammenhang symbolisiert zudem eine bronzene Nachbildung der Säule auf dem Leipziger Nikolaikirchhof, die den Preisträgern beim Festakt überreicht wird. Seinerzeit hatte die friedliche Revolution mit

Friedensgebeten in der Nikolaikirche im Herzen Leipzigs begonnen. Der "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" wird an Journalistinnen, Journalisten, Verlegerinnen und Verleger sowie an Medieninstitutionen verliehen, die sich mit Risikobereitschaft, Engagement und Mut für die Pressefreiheit einsetzen. Die Preisträger wurden, wie in den acht Jahren zuvor, von dem unter anderem mit Chefredakteuren, TV-Korrespondenten und Schriftstellern besetzten Stiftungsrat nach Vorschlägen aus der nationalen und internationalen Medienszene ausgewählt. (Pressemitteilung der Sparkasse Leipzig)

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