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31.07.2009

Postbank sieht Kurzarbeit als Rettungsinsel

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich in der heftigsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg bislang gut behauptet. Seit Oktober 2008 ist die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt lediglich um rund 200.000 Personen gesunken und die Zahl der Arbeitslosen nur um rund 300.000 gestiegen.

Nach Einschätzung der Deutschen Postbank AG ist der milde Verlauf in erster Linie der Kurzarbeit zu verdanken. "Die großzügigeren Regelungen der Kurzarbeit zeigen Wirkung. Im März haben die Kurzarbeiter durchschnittlich ein Drittel weniger gearbeitet, ohne ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Rechnerisch sind durch die Kurzarbeit also rund 400.000 Vollzeitstellen erhalten geblieben", sagt Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt der Bonner Bank.

Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise hat der Gesetzgeber ab Juni 2009 die maximale Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf 24 Monate verlängert. Zusätzlich übernimmt die Bundesagentur für Arbeit ab dem siebten Monat die Beiträge zur Sozialversicherung vollständig. Die Volkswirte der Postbank sehen in diesem Instrumentarium einen Grund, warum sich die Beschäftigungssituation in Deutschland im Vergleich mit der gesamten Eurozone deutlich besser gehalten hat.

Ein Vorteil der Kurzarbeit liegt für die Unternehmen in schwierigen konjunkturellen Zeiten darin, hoch qualifizierte Mitarbeiter nicht gleich entlassen und nach der Krise unter hohem Kostenaufwand neue finden zu müssen. Ohnehin bleibt der Fachkräftemangel in einigen Branchen weiterhin ein Thema. So gibt es nach wie vor Indizien für einen Mangel an Ingenieuren unter anderem in den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektroindustrie. Arbeitnehmer wiederum müssen zwar durch Kurzarbeit finanzielle Einbußen hinnehmen, behalten aber zunächst ihre Stelle.

Doch die Postbank sieht auch kritische Aspekte: So dürfte die Gefahr von Missbrauch zurzeit nicht zu unterschätzen sein. Einige Unternehmen dürften versucht sein, dieses Instrument etwa als gleitenden Übergang zu nutzen, um die Belegschaft zu reduzieren. Beispielsweise könnten damit Abfindungskosten oder Kosten bei Frühverrentung, die das Unternehmen zu tragen hätte, letztlich auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Nicht ganz auszuschließen ist außerdem, dass notwendige strukturelle Anpassungen in manchen Bereichen bzw. Unternehmen bei der vergleichsweise langen Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld verhindert oder wenigstens verzögert werden. Bedenklich erscheint darüber hinaus der Befund, dass in vergangenen Phasen die steigende Kurzarbeit häufig mit einem steigenden Anteil jüngerer Arbeitsloser an allen Arbeitslosen einherging. Dies lässt fürchten, dass junge Leute, die in naher Zukunft ihre Ausbildung abschließen, auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen werden, eine Stelle zu f inden.

Insgesamt ist Kurzarbeit damit letztlich ein zweischneidiges Schwert. Auf kurze Sicht dürften allerdings die positiven Gesichtspunkte überwiegen. Insbesondere verleiht dieses Instrument Arbeitnehmern in Zeiten der Krise ein Mindestmaß an Sicherheit.

(Pressemitteilung der Postbank)

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