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27.01.2009

Gastkommentar: Aktive Konjunkturpolitik gegen globale Rezession

SEB_KommentarDie Finanzkrise war im letzten Jahr das bestimmende Thema, mit massiven Verlusten an den Aktienmärkten und großen Schwankungen an den Devisenmärkten. Die Auswirkungen der Krise haben den zyklischen Konjunkturabschwung verstärkt und eine globale Rezession ausgelöst. Die konjunkturpolitischen Maßnahmen werden voraussichtlich erst im 2. Halbjahr 2009 die gewünschte Wirkung zeigen. Ein Gastkommentar von Dr. Klaus Schrüfer, Leiter Investment Strategy der SEB Bank.

 

Inhalt:

Kurseinbrüche an den Börsen

Im Börsenjahr 2008 kam es an den Aktienmärkten erstmals seit sechs Jahren wieder zu massiven Verlusten, so beim DAX 30 von 40,4 Prozent. Er befindet sich damit in guter Gesellschaft, da andere wichtige Leitindizes wie der Dow Jones (-36 Prozent), Nikkei 225 (-42 Prozent) und der EuroStoxx 50 (-45 Prozent) ebenfalls deutlich verloren. Zurück gehen die Verluste vor allem auf die Verschärfung der Finanzkrise, die im vergangenen September mit der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte. Im Gegenzug verzeichneten Staatsanleihen in der zweiten Jahreshälfte merkliche Kursgewinne. So verzeichnete die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ein neues Rekordtief von 2,90 Prozent. In den USA ging die vergleichbare Rendite sogar zeitweise auf 2,09 Prozent zurück, da die amerikanische Notenbank (Fed) kurz vor Weihnachten die Leitzinsen wegen zunehmender Deflationsbefürchtungen auf 0 bis 0,25 Prozent senkte.

Große Schwankungen gab es auch an den Devisenmärkten. So stieg der Euro gegenüber dem US-Dollar im Juli 2008 kurzfristig auf über 1,60, bevor er bis Oktober auf unter 1,25 abstürzte. In den letzten Wochen konnte er sich unter Schwankungen wieder etwas erholen.

Aktive Konjunkturpolitik gegen globale Rezession

Die negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf die reale Wirtschaft haben in den letzten Monaten den zyklischen Konjunkturabschwung deutlich verstärkt und eine globale Rezession ausgelöst. Sie könnte sich zunächst sogar noch verschärfen, da die Frühindikatoren eine Fortsetzung der Konjunkturschwäche in den kommenden Monaten signalisieren.

Um jetzt aktiv gegenzusteuern und die Konjunktur zu stimulieren bzw. den Abschwung zumindest zu begrenzen, legen die Regierungen weltweit umfangreiche Konjunkturprogramme auf. In den USA könnte das Konjunkturpaket sogar 800 bis 1.000 Mrd. US-Dollar betragen.

Gleichzeitig werden die Notenbanken ihre Geldpolitik weiter lockern. Dabei wird die US-Notenbank zu unkonventionellen Maßnahmen wie dem Ankauf von Staatsanleihen übergehen, da sie den Spielraum für Zinssenkungen bereits ausgeschöpft hat.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird dagegen im 1. Quartal 2009 ihre Leitzinsen voraussichtlich um weitere 150 Basispunkte auf dann 1,00 Prozent zurücknehmen. Sie besitzt einen ausreichenden Spielraum dafür, weil gegenwärtig kaum Inflationsrisiken bestehen. Zum einen können die Unternehmen infolge der ausgeprägten Nachfrageschwäche nur schwer Preissteigerungen durchsetzen. Zum anderen bewirkt der Preisverfall bei Rohstoffen und Rohöl, dass die Inflationsraten im kommenden Jahr in einigen Monaten sogar negativ sein dürften.

Allerdings werden die konjunkturpolitischen Maßnahmen voraussichtlich erst im 2. Halbjahr 2009 die gewünschte Wirkung zeigen und zu einer Stabilisierung beitragen. Daher dürfte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen. Erst 2010 dürfte es zu einer leichten Erholung von rund 0,5Prozent kommen.

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