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18.05.2006

Deutsche unterschätzen das Pflegerisiko

Jeder dritte Deutsche setzt auf die gesetzliche Pflegeversicherung (GPV), wenn es um die Pflege der Angehörigen geht. Bereits heute klafft jedoch eine große Lücke zwischen tatsächlichen Pflegekosten und staatlichen Leistungen. Das Defizit der GPV belief sich 2005 auf 360 Millionen Euro.

Bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit rund zwei Millionen voraussichtlich auf über drei Millionen steigen, die Mittel werden also knapper. Für die Differenz müssen die Bürger selbst aufkommen. Dennoch setzt ein Umdenken nur allmählich ein.



Obwohl 40 Prozent der Bürger eine private Pflegezusatzversicherung für notwendig halten, hatten 2005 nur rund 870.000 Menschen zusätzlich privat vorgesorgt. Insbesondere junge Menschen und über 60-Jährige haben Vertrauen in die staatliche Pflegekasse. Wer selbst ein Familienmitglied pflegt, ist dagegen skeptisch. Dies ergibt der "Kundenkompass Pflege" des Finanzdienstleisters Delta Lloyd Deutschland AG in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z-Institut.



Eine große Stütze des Pflegesystems ist die Familie: 73 Prozent der Befragten wollen im Ernstfall von Angehörigen betreut werden, rund drei Viertel so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden. 27 Prozent würden zu den Kindern ziehen. Knapp drei Viertel sind bereit, die Pflege der nächsten Verwandten zu übernehmen. 36 Prozent würden sie bei sich zu Hause aufnehmen.



Trotz dieses hohen Engagements gilt jedoch: Angehörige werden in Zukunft immer häufiger für die Betreuung ausfallen. Sinkende Geburten, zunehmende Berufstätigkeit von Frauen und wachsende Mobilität im Beruf führen dazu, dass bereits leichte Pflegefälle stationär in einem Alten- oder Pflegeheim aufgenommen werden müssen.



Die Nachfrage nach vollstationärer Dauerversorgung innerhalb der Pflegestufe I hat in den vergangenen sieben Jahren um mehr als 20 Prozent zugenommen. Auch die Leistungen von ambulanten Pflegediensten werden stärker in Anspruch genommen. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die zu Hause eine professionelle Betreuung nutzen, stieg gegenüber 1999 um mehr als acht Prozent.



Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass die Ausgaben für Pflegeleistungen durch die GPV nur zu einem geringen Teil oder gar nicht getragen werden. Trotzdem setzt sich die Eigenvorsorge durch eine private Zusatzversicherung nur langsam durch.

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