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01.04.2010

Arbeitskosten: Kurzfristige Kriseneffekte nicht missbrauchen für eine neue Debatte um Lohnzurückhaltung

Wie das Statistische Bundesamt Anfang der Woche feststellte, lag der Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland im Jahr 2009 mit 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr über dem in der gesamten Währungsunion (mit 2,7 Prozent). Der heutigen Berichterstattung des Weser Kurier zufolge stiegen die Arbeitskosten pro Arbeitsstunde stärker, weil in den Betrieben kurzgearbeitet wurde - dies sei besonders in Bremen der Fall. Zitiert wird hierzu die Handelskammer Bremen, nach der die Arbeitskosten innerhalb der Bremer Wirtschaft genau deshalb immer wieder problematisiert würden.

Verantwortlich für den jetzigen Anstieg ist jedoch vor allem ein statistischer Sondereffekt. Viele Unternehmen haben in der Krise zunächst auf das zurückgehende Geschäft reagiert, indem sie das Arbeitsvolumen reduzierten und Guthaben auf Arbeitszeitkonten sowie Überstunden der Mitarbeiter abgebaut haben. Dies geschah in der Regel in gemeinsamer Verantwortung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Anders als es die Unternehmensvertreter vermuten, hat die Kurzarbeit statistisch auf die Entwicklung der Arbeitskosten aber kaum Einfluss gehabt. Den Preis der Krise bezahlt haben vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die schon im Jahr 2009 krisenbedingt deutliche Lohneinbußen hinnehmen mussten oder gar ihren Job verloren. Zu erinnern ist: Auch in Bremen trafen Entlassungen zunächst die flexibel Beschäftigten und niedrig entlohnten Randbelegschaften der Betriebe, wozu unter anderem Arbeitnehmer der Zeitarbeitsbranche gehören. Was ebenso zum durchschnittlichen Anstieg der Arbeitskosten beigetragen haben könnte.

Dr. Hans Endl, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen: "Mit ihrer überzogenen Einschätzung kurzfristiger Kriseneffekte wollen die Arbeitgeber offensichtlich den Boden für neue Kostensenkungsprogramme in den Betrieben bereiten. Dies würde bedeuten, dass erneut die Beschäftigten die Spätfolgen der Finanz- und Wirtschaftskrise ausbaden müssen." Dabei weist auch das Statistische Bundesamt auf die langfristig moderate Entwicklung der Arbeitskosten im Ländervergleich hin.

Endl: "Die Interpretationen der Bremer Wirtschaft sind interessengeleitet und irreführend. Sie suggerieren zudem, dass zu hohe Löhne und Sozialversicherungsbeiträge die Wirtschaftskrise forcieren. Dabei würden gerade in der akuten Krise vernünftige Lohnzuwächse und vor allem Mindestlöhne die Binnenkonjunktur und damit Arbeitsplätze stützen. Es gibt übrigens in Bremen und anderswo auch Arbeitgeber, die Lohn- und Arbeitszufriedenheit als einen wichtigen Baustein für ihren Erfolg und der Volkswirtschaft ansehen."

Der kurzfristig mit der Krise wahrnehmbare höhere Kostenanstieg in Deutschland fällt in der längeren Betrachtung aus der Reihe. "Nach den Daten von Eurostat und Bundesamt lässt sich seit Jahren die genau entgegengesetzte Tendenz feststellen", so Endl. Die Arbeitskosten nehmen in Ländern wie Deutschland mit einem hohen Kostenniveau seit langem in geringerem Umfang zu als in Ländern mit einem niedrigen Niveau der Arbeitskosten. Kurz: sie gleichen sich an.

Noch im Jahr 2000 lagen die Arbeitskosten in Deutschland 41 Prozent über dem Durchschnitt der EU-Länder. Bis 2008 verringerte sich diese Differenz auf 29 Prozent. "Dass die Arbeitnehmer in Niedriglohnländern damit auch bei den Löhnen langsam aufholen, kann nur in unser aller Interesse liegen", betont Dr. Hans Endl. Zur Beurteilung des Wirtschaftsstandorts ist der nackte Vergleich der Arbeitskosten ohnehin wenig aussagefähig. Gehen hohe Arbeitskosten mit besonders hoher Produktivität einher, wie in Deutschland, ist das kein Nachteil. Erst 2008, kurz vor der Krise, stiegen in Deutschland die Lohnstückkosten zum Beispiel mit 2,1 Prozent in deutlich geringerem Umfang als in anderen EU-Ländern wie Spanien (+3,4%), Italien (4,2%) oder am Niedriglohnstandort Bulgarien (+16,2%). Und Deutschland war erneut ein Stückchen "wettbewerbsfähiger".

(Pressemitteilung der Arbeitnehmerkammer Bremen)

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