23. April 2003
Risikofonds für Rentner und Optionsscheine für Börsenneulinge – im Börsenboom hat so manchen Berater die Abenteuerlust gepackt. Wer schlecht beraten wurde, kann sich vielleicht wehren.
Ein Fall, der ungläubiges Kopfschütteln hervorruft: Eine 65-jährige will eigentlich nur den Erlös aus ihrer Lebensversicherung anlegen, so dass sie durch die Zinsen einen kleinen Zuverdienst zu ihrer Rente erhält. Jedem normal denkenden Menschen dürfte klar sein, dass die Dame eine sichere Geldanlage sucht, keine Experimente.
Doch dem Anlageberater der Deutschen Bank waren derart konservative Pläne offenbar zu langweilig: Er überredet die Rentnerin, die Versicherungssumme in riskante Länder- und Branchenfonds sowie in Indexzertifikate der Bank zu investieren. Obendrein riet er ihr, achtprozentig verzinste und sichere Bundesanleihen zu verkaufen und das Geld ebenfalls in die bankeigenen und risikoreichen Produkte zu investieren.
Der Fall ereignete sich im Jahr 2000 – einer Zeit, als Anleger – dem Börsenrausch verfallen – vorzugsweise in Papiere investierten, deren Namen sie noch nicht einmal richtig aussprechen konnten. Kurz darauf platzte die große Börsenblase und der gutgläubigen Anlegerin ging es so, wie vielen tausend anderen auch: ihr Vermögen löste sich in Luft auf.
Die Dame reagiert mit Unverständnis: bei einer sicheren Geldanlage hätte es ja nicht so weit kommen dürfen. Und eine sichere Geldanlage hatte sie sich von der Beratung schließlich erwartet. Schon 1995 hatte sie der Bank ausdrücklich schriftlich mitgeteilt, dass sie keinerlei Risiken eingehen wolle. Das hätte auch dem Berater klar sein sollen, trotzdem verkaufte er ihr spekulative Produkte. Die Rentnerin zog vor Gericht.